SERIE : Tagesspiegel- Kochakademie Weihnachten wird wild

Vielfältig und experimentell ist die kulinarische Linie von Alexander Dressel, Chef im Bayrischen Haus in Potsdam Für unsere Dezember-Workshops hat er sich ein Festmenü einfallen lassen, dessen Gänge eines garantiert nicht bieten: das Gängige.

Eine Serie von Susanne Leimstoll[Bernd Matthies],Kai-Uwe Heinrich
Foto: picture-alliance/ dpa

HEUTE MIT

Alexander Dressel

Bayrisches Haus Potsdam

So verrückt ist Alexander Dressel nicht, dass er sich, wie die Fotomontage suggeriert, in Kochkluft bei den Hirschen herumtreibt. Dabei wäre es möglich, denn seine Arbeitsstätte, das Hotel Bayrisches Haus, liegt so idyllisch im Potsdamer Wildpark, wie man sich das im Ballungsraum Berlin kaum vorstellen kann, wenn man nicht mal da war.

Entstanden sind Haus und Name, weil der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. seine heimwehkranke bayerische Gemahlin Elisabeth trösten wollte. Nach dem Ende der Monarchie wurde das Domizil ein Gasthaus, Max Schmeling wohnte dort während der Olympischen Spiele 1936. Lehrlingswohnheim, Gästehaus der SED-Bezirksleitung – und nach der Wende ein Hotel wie viele ähnliche Objekte.

Doch wenige sind mit so viel Aufwand auf das Niveau eines kleinen Luxushotels gebracht worden, das sich mit der Mitgliedschaft in der edlen Vereinigung „Relais & Chateaux“ schmücken darf, als eines von nur drei Häusern in den neuen Bundesländern. In einem Neubau sind luxuriöse Zimmer entstanden, es gibt eine schöne Wellnessabteilung – und natürlich das Restaurant „Friedrich Wilhelm“ im Obergeschoss des eigentlichen bayerischen Hauses, nobel holzgetäfelt, mit festlicher Aura.

Das Sagen im Haus hat Alexander Dressel. Zunächst war der gebürtige Berliner nur Küchenchef, holte den Michelin-Stern, verlor ihn, erkämpfte ihn zurück. Längst ist er auch Direktor des Hauses, Chef im „Friedrich Wilhelm“ ist sein Kollege Markus Rudolph. Doch natürlich packt Dressel selbst mit an, wenn die Gäste unseres Workshops kommen, betont die italienischen Erfahrungen, die er während seiner Wanderjahre beispielsweise bei Heinz Beck in Rom und später im Grand Hotel Montalcino gemacht hat. Auch in Berlin hat er eine kurze Zeit als Küchenchef gearbeitet, und zwar im „Borchardt“, das Dressels kulinarischen Ambitionen dann aber doch nicht ganz entsprach.

Heute kocht Alexander Dressel eher vielfältig und experimentell. Wer aber mag, kann sich auch gern erkundigen, wie man denn ein gutes Wiener Schnitzel macht – doch das geschieht auf eigene Gefahr... Bernd MatthiesRestaurant Friedrich Wilhelm im Hotel Bayrisches Haus, Im Wildpark, Potsdam. Reservierung unter Telefon 0331 - 55 050; nur Abendessen von Dienstag bis Sonnabend, im Januar geschlossen. Menüs von 65 bis 110 Euro

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