Serie von Brandstiftungen : "Ich fürchte, dass wieder was passiert"

Die Serie der Brandstiftungen in Berlin reißt nicht ab. Und langsam geht die Angst um. Wie Mieter, Wohnungsbaugesellschaften und Politiker reagieren.

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Im Dauereinsatz. Die Feuerwehr musste in dieser Woche Dutzende Male verstärkt ausrücken. In der Nacht zu Donnerstag blieb es aber vergleichsweise ruhig.
Im Dauereinsatz. Die Feuerwehr musste in dieser Woche Dutzende Male verstärkt ausrücken. In der Nacht zu Donnerstag blieb es aber...Foto: Snapshot

Statistisch ist es unwahrscheinlich, dass es im eigenen Haus passiert – dennoch wächst die Angst der Berliner Mieter und Eigentümer vor Brandstiftern. In vielen Häusern ist derzeit zu beobachten, dass Bewohner Müll aus dem Flur räumen, Papierkörbe für die Werbepost abmontiert werden oder Verteiler ihre Prospekte nur noch draußen lagern dürfen. Anwohner der Liebigstraße und der Rigaer Straße haben sogar Zettel mit der Aufschrift „Zündet uns nicht an!“ aufgehängt. Seither hat es dort nicht mehr gebrannt. Anderswo reißt die Serie von Brandstiftungen nicht ab. Auch in der Nacht zu Donnerstag gab es wieder Brände in Wohnhäusern. Eine Fußmatte hinter der Hauseingangstür hatten Unbekannte in der Mariannenstraße in Kreuzberg angezündet; zwei Kellerverschläge brannten in der Vincent-van-Gogh-Straße in Hohenschönhausen. Verletzt wurde niemand. Die Polizei vermutet, dass es sich um Brandstiftung handelt.

Im Vergleich zum bisherigen Höhepunkt der Brandserie am Mittwoch war es aber eine eher ruhige Nacht. Mehr als 20 Zündeleien in Prenzlauer Berg, Wedding und Neukölln zählte die Feuerwehr an diesem Tag. Allein sieben Feuer soll ein unbekannter Brandstifter vor und in Wohnhäusern rund um die Prenzlauer Allee gelegt haben.

Betroffen davon war auch die 87-jährige Helga L., die in einer Siedlung der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag in der Prenzlauer Allee 110 wohnt. Einen im Hausflur abgestellten Kinderwagen zündete der Brandstifter dort an. „Ich lebe seit 50 Jahren hier“, sagt Helga L. „Aber so etwas hat es hier nie gegeben.“ Laut Gewobag entstand ein geringer Schaden von unter 5000 Euro. Nur Malerarbeiten seien notwendig. Personen kamen nicht zu Schaden. Die 87-Jährige wirkt dennoch ängstlich. „Ich fürchte, dass in den kommenden Nächten wieder was passiert.“

Offenbar konnte der Täter problemlos in das Haus gelangen. Die Polizei habe ihr erklärt, dass die Nachbarn den Innenriegel an der Eingangstür so eingestellt hatten, dass der Täter die Tür einfach aufdrücken konnte, sagt Helga L. „Wir müssen jetzt darauf achten, dass die Tür wirklich zuschnappt und kein Fremder hineinkommen kann", mahnt sie.

Eingangstüren verschlossen halten, nichts Brennbares wie Kinderwagen, Sperrmüll oder Papierkörbe in die Hausflure stellen und die Augen offen halten – das empfiehlt auch die Feuerwehr. Außerdem sei es ratsam, sich einen Rauchmelder anzuschaffen, da der den Brandschaden enorm verringern könne, heißt es bei der Feuerwehr. Bisher gebe es aber nur in knapp 15 Prozent aller Haushalte Rauchmelder.

Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus fordert deshalb, eine Rauchmelderpflicht im Treppenhaus einzuführen. „Rauchmelder sind heutzutage für wenig Geld zu haben und können Menschenleben retten“, sagt der innenpolitische Sprecher Benedikt Lux.

Stefan Brenner vom Berliner Mieterschutzbund begrüßt diesen Vorschlag. Denn bisher hätten Mieter keinen Rechtsanspruch auf Rauchmelder oder Feuerlöscher. „Wer aber Angst vor Bränden hat, sollte das Gespräch mit dem Hausverwalter suchen,“ rät er. „Vielleicht lässt sich gemeinsam dann eine Lösung finden.“

Die Wohnungsbaugesellschaften wollen vorerst keine besonderen Maßnahmen zum Brandschutz ergreifen. Die Gewobag, zu der rund 52 000 Haushalte in Berlin gehören, plant, die Mieter weiterhin mit Aushängen und Flyern aufzuklären. Außerdem würden Hauswarte die Treppenhäuser kontrollieren. Auch bei den 48 000 Wohnungen der GSW seien regelmäßig Kundenberater oder Hausmeister vor Ort, die einen Blick auf im Hausflur abgestellte Gegenstände werfen, sagte eine Sprecherin. „Wir sprechen unsere Mieter gezielt an und bitten, sie, ihre Sachen zu entsorgen.“

Betroffen von den Brandstiftungen war die GSW bisher nicht. Auch die 70 000 Haushalte der Degewo blieben verschont. Dennoch überlegt man dort, eine Aktion wiederzubeleben, die bereits vor drei Jahren stattfand. Damals bot die Hausverwaltung ihren Mietern Rauchmelder zu einem vergünstigten Preis an. „Doch nur die wenigsten haben von dem Angebot Gebrauch gemacht“, sagte ein Sprecher. Nach den jüngsten Vorfällen dürfte die Nachfrage wohl steigen.

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