SERIE WENDEKalender : 1. August 1989

Auf einem Flugblatt in Ost-Berlin wird in Versform protestiert

JAHRE MAUERFALL

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Die Zeitungen des Axel-Springer-Verlages setzten die DDR nicht mehr in Anführungszeichen. „Damit tragen wir der Entwicklung in Ost- und Mitteleuropa Rechnung, vor allem den Reformbestrebungen in Ungarn, Polen und der Sowjetunion“, heißt es in der „Welt“. Die „Gänsefüßchen“ sollten dokumentieren, dass die DDR nicht als eigenständiger Staat anerkannt wird.

In Ost-Berlin kursiert dieser Tage ein Flugblatt, in Versform gehalten:

Vom Centrum-Warenhaus (heute: Galeria Kaufhof am Alexanderplatz) komm ich her, ich muss euch sagen, die Regale sind leer. Überall auf den Stufen und Kanten sitzen Polen mit ihren Verwandten, … Und wie ich so gehe am Markt vorbei, sehe ich die Leute aus der Tschechei, sie haben gekauft und gefüllt ihre Taschen, da glotzen sie blöd, die Deutschen, die Flaschen…

Für die Opposition ist das Flugblatt ein weiteres Indiz steigender Fremdenfeindlichkeit in der DDR. „Man muss feststellen, dass hier in diesem Land, dessen Regierende scheinbar den Antifaschismus gepachtet haben, nationalistische, rassistische und sogar faschistische Tendenzen nicht mehr zu leugnen sind“, heißt es im Untergrund-Organ „Umweltblätter“. Ausländerfeindlichkeit sei in der DDR ebenso verbreitet wie im Westen, schreibt die taz.loy

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