SERIE WENDEKalender : 15. April 1989

Im Westteil ist Wohnraum knapp, im Ostteil wird an der Friedrichstraße gebaut.

JAHRE

MAUERFALL

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Bereits morgens um 8 Uhr warten 20 Menschen vor den Räumen des „Miet-Tips“-Beratungsbüros in der Passauer Straße, Schöneberg, berichtet der Tagesspiegel. In der Geschäftsstelle werden Mietwohnungen kostenlos vermittelt. Vor allem Asylbewerber, DDR-Übersiedler und Studenten stehen an diesem Morgen in der Schlange an.

Große Hoffnung auf Erfolg hegen sie nicht. „Die Lage ist hoffnungslos. Man wird immer nur vertröstet“, sagt ein Mann, der sich als kaufmännischer Angestellter zu erkennen gibt. Ein Auszubildener aus Steglitz erzählt dem Reporter, er warte bereits seit drei Jahren auf ein Angebot des Beratungsbüros. „Bei den Wohnungsbaugesellschaften kommt man doch nur mit Geld oder Beziehungen an eine Wohnung.“ Seine Schwester hingegen habe „die richtigen Leute“ mit 3000 Mark bestochen und dürfe nun bald umziehen.

Der Senat berichtet von rund 60 000 Inhabern von Wohnberechtigungsscheinen, darunter etwa 20 000 mit Dringlichkeitsvermerk.

In Ost-Berlin ist das Wohnhaus Friedrichstraße 73 gesprengt worden, um Baufreiheit für den geplanten Dienstleistungskomplex „Friedrichstadt“ zu schaffen. Bis 1992 sollen hier Kaufhallen, Geschäfte, Gaststätten und Wohnungen entstehen, mit „orientalischem Fassadenschmuck“, nach dem Vorbild des Friedrichstadtpalastes. Arbeitstitel des Großprojektes: Friedrichstadt-Passagen.

Im Herbst 1989 wird der Bau gestoppt. Drei Jahre später zahlt ein französisch-amerikanisches Konsortium 85 Millionen Mark für die Rohbauten, um sie anschließend komplett abzureißen. Die Decken waren zu niedrig, die Pfeiler ungünstig gestaffelt und die Gründung zu flach. Anschließend entstanden hier die Galeries Lafayette und die Quartiers 206 und 205. loy

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