SERIE WENDEKalender : 15. Juli 1989

Wie ein Chinese in den Westen floh und DDR-Bauarbeiter im Westen malochten

JAHRE

MAUERFALL

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Am Grenzübergang Waltersdorfer Chaussee (Transit zum Flughafen Schönefeld) ist die Flucht eines jungen Chinesen geglückt. Ypen Jiao spurtete von der DDR- Kontrollstelle rüber zur West-Berliner Seite. Seinen Koffer ließ er bei den Grenzern stehen. Die Vorgeschichte: Ypen Jiao arbeitete im staatlichen chinesischen Filmbüro und war als Vertreter Chinas schon mal Gast auf der Berlinale. Wegen seiner Sympathien für die protestierenden Studenten in Peking beschloss er, das Land zu verlassen. Mit seinem Pass durfte er ins sozialistische Ausland reisen, also buchte er einen Flug nach Schönefeld. Dort fuhr er unbehelligt mit dem Transitbus direkt zum Übergang, wurde von der West-Berliner Polizei aber wegen eines fehlenden Visums abgewiesen. Zu Fuß ging er zur DDR-Kontrollstelle. Die Beamten hielten ihn fest und versuchten, die chinesische Botschaft zu erreichen, doch um vier Uhr morgens war dort noch kein Betrieb. Jiao erkannte seinen Fehler und rannte zurück nach West-Berlin.

Der DGB rügt, dass DDR-Bauleute in West-Berlin den hiesigen Bauarbeitern die Jobs wegnehmen. DDR-Unternehmen würden als Subunternehmer beschäftigt, weil sie bis zu 30 Prozent unter West-Niveau anbieten könnten. Rund 2000 DDR-Bauleute sollen in West-Berlin arbeiten, sagt DGB-Chef Michael Pagels. IG-Metall-Chef Volker Fiebig spricht von Hinweisen, dass Unternehmen Arbeitskräfte entlassen hätten und stattdessen Monteure auf Leihbasis aus der DDR beschäftigen. loy

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