SERIE WENDEKalender : 15. Oktober 1989

DDR-Bands spielen für Inhaftierte Britische Armee bietet Notunterkunft

20 JAHRE MAUERFALL

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In Bernau ist unter der Regie der SED ein neuer Kreisverband der Freidenker gegründet worden. Nach Darstellung einiger Vorstandsmitglieder verstehen sich die Freidenker auch als gesellschaftliche Opposition. Ganz offensichtlich soll auf diese Weise zumindest der Versuch gestartet werden, einen Teil des Protests zu kanalisieren.

Abends findet in der Erlöserkirche in Rummelsburg ein „Konzert gegen Gewalt“ statt. Mehr als 3000 Menschen sind gekommen, um Liedermacher Kurt Demmler sowie die Rockgruppen Karat, City und Pankow zu hören. Demmler persifliert ZK-Sekretär Kurt Hager, der sich selbst als Reformkraft zu profilieren versucht: „Ein bisschen reformeln und dialogeln, da hat man gut normeln, da hat man gut mogeln.“ Die Musiker solidarisieren sich mit der Protestbewegung. Studenten der Humboldt-Uni kündigen die Gründung eines unabhängigen Studentenverbandes an. Liedermacher Gerhard Schöne erklärt, er werde die 20 000 Mark, die er als Träger des DDR-Nationalpreises bekommen hat, für die Inhaftierten und eine Entwicklungshilfegruppe spenden. Der Schriftsteller Christoph Hein fordert einen Untersuchungsausschuss, um die brutalen Polizeiübergriffe in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober in Prenzlauer Berg zu klären. Drinnen lauschen Stasi-Spitzel, draußen notieren sie die Kennzeichen der parkenden Autos.

Die Briten haben dem Senat zwei Flugzeughallen zur Verfügung gestellt, um dort Übersiedler aus der DDR unterzubringen. Die Sozialverwaltung begrüße und prüfe das Angebot, schreibt der Tagesspiegel. Bis Ende Oktober sollen zwei Messehallen als Notunterkunft zur Verfügung stehen. loy

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