SERIE WENDEKalender : 2. Februar 1989

Philharmoniker sollen nach Tempelhof, Rollheimer wollen an der Mauer bleiben

20 JAHRE MAUERFALL

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Vier Mitglieder des Arbeitskreises für Gerechtigkeit und Frieden der Bekenntniskirche Berlin-Treptow werden vom Stadtbezirksgericht Lichtenberg zu Haftstrafen zwischen 12 und 22 Monaten verurteilt. Die Urteile ergehen wegen „unerlaubter Kontaktaufnahme, Nachrichtenübermittlung und Herabwürdigung staatlicher Organe“.

In West-Berlin wird derweil über eine Nutzung des Flughafens Tempelhof als Ausweichstätte der Philharmonie spekuliert. 1991 soll die Sanierung der Scharoun-Baus beginnen. Die nötige Akustik, gepaart mit einer Zuhörerkapazität von mindestens 2200 Plätzen, gebe es nur in der Abflughalle von Tempelhof, erklärt Bernd Mehlitz von der Kulturverwaltung. Man wolle demnächst beim US-Stadtkommandanten „anklopfen“ und diese Idee vortragen.

Nicht weit von der Philharmonie enfernt, in der Köthener Straße, hoffen rund 50 „Rollheimer“, von einem Zwangsumzug verschont zu bleiben. Die „Grundstücks AG am Potsdamer Platz“ hatte den Bauwagenbewohnern gekündigt. „Die Politiker sind vor den Wahlen hier ein und aus gegangen“, sagt Rollheimer-Sprecher Werner Rampf. Der SPD-Bundesvorsitzende Hans-Jochen Vogel habe in einem Brief sogar von einem „bemerkenswerten Fall von Selbsthilfe, der den schwierigen Berliner Wohnungsmarkt entlasten helfe“, gesprochen. Die Rollheimer würden allenfalls ans Gleisdreieck nach Kreuzberg umziehen, aber der dortige SPD-Bürgermeister Günter König will davon nichts wissen: „Wir haben schon genug Probleme mit Wagenburgen“, sagt er der Berliner Morgenpost. loy

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