SERIE WENDEKalender : 24. März 1989

Ein West-Berliner boxt im Osten, und in Jänschwalde qualmt das neue Kraftwerk.

Rund 50 000 West-Berliner reisen über Ostern nach Ost-Berlin und die übrige DDR, vier Prozent mehr als 1988. Doch vor dem Zwangsumtausch von 25 Mark – offiziell: „erhöhter Mindestumtausch“ – waren es zum Osterfest 1980 noch etwa 65 000.

Der West-Berliner Michael Gusnick, Boxer im Halbschwergewicht, vertritt die Bundesrepublik beim „Chemie-Pokal“ in Halle/Saale. Das Boxen wird zur Nebensache, in der Freizeit bummelt Gusnick über den „Hallenser Kudamm“, die Clemens-Gottwald-Straße, belauert von Russen und Kubanern, die ihm Kaviar verkaufen möchten, und wird angesichts des „öden Graus“ der Fassaden ganz depressiv. Auch das Fitnessprogramm verläuft nicht zur Zufriedenheit. „Nach dem Joggen spuckst du fertige Briketts“, erzählt der Boxer der „Berliner Morgenpost“.

Dazu passt eine ADN-Meldung aus Cottbus: Das „größte Investitionsobjekt der DDR-Energiewirtschaft im zurückliegenden Jahrzehnt“, das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde, ist komplett ans Netz gegangen. Zuletzt wurde der sechste 500-Megawattblock hochgefahren. Damit produziert Jänschwalde 72 Millionen Kilowattstunden am Tag, das sind 13,4 Prozent der in der DDR verbrauchten Elektroenergie. Noch heute ist Jänschwalde mit einem Ausstoß von 23,7 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einer der größten Klimakiller Europas. loy

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