Serie Wendekalender : 28. Juni 1989

Wie in der DDR mit Mangelware hemmungslos spekuliert wird

Die Ost-Berliner „Wochenpost“ rügt die Moral ihrer Inserenten. Einige versuchten, aus der schlechten Versorgungslage Kapital zu schlagen. Zitiert wird ein Inserent, der die „viel begehrten Zylinderkopfdichtungen für den Wartburg für zehn Mark anbietet“. Melde sich ein Kaufwilliger, steige der Preis schlagartig auf 90 bis 120 Mark. Ähnlich kritisch sieht das Blatt das Gebahren eines Eigentümers von Ferienwohnungen an der Ostsee. Er bevorzugt Gäste mit Auto, die bei der Beschaffung von Fliesen und Parkett helfen könnten und nebenbei mitanpacken. „Wenn sich einer einen Mangel zunutze macht, ist das immer eine individuelle Entscheidung, die die Entschlusskraft fordert, andere übers Ohr zu hauen“, schreibt das Blatt. So etwas widerspreche der sozialistischen Ethik. Die übergroße Mehrheit der Bevölkerung betreibe keine spekulativen Geschäfte mit Mangelartikeln, sie leide darunter. Laut Artikel ist Folgendes knapp: Ferienplätze an der Ostsee, Zylinderkopfdichtungen für den Wartburg, Luftfilter für den Trabi, Nagellackentferner, Kaffeefilter und Mottenpulver. „Meist sind es Pfennigartikel, die fehlen und die einem die Freude am Alltag des Sozialismus trüben können.“ loy

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