SERIE WENDEKalender : 30. Dezember 1989

Demo gegen Rechts in Treptow. Ex-Agent Guillaume wünscht alles Gute.

JAHRE

MAUERFALL

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Mauerfall-Geschichten erzählt:

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Die DDR hat sich wegen nationalistischer Parolen am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park (unter anderem „Besatzer raus!“) bei der Sowjetunion entschuldigt. Der Vorsitzende der SED-PDS, Gregor Gysi, schlägt vor, eine gemeinsame Ehrenwache von NVA und Sowjetarmee einzurichten, um das Mahnmal zu schützen.

Zu einer Demonstration am Ehrenmal – aufgerufen hatten SED-PDS, Gewerkschaftsbund und Deutsch-Sowjetische Freundschaft – kommen nur 2000 Menschen. Sie beklagen die rechtsextremistischen Tendenzen und fordern „mehr Aktionen gegen Rechts“ durch „handlungsfähige Schutzorgane“. Damit kritisieren sie indirekt die Auflösungserscheinungen der DDR-Behörden, besonders der Stasi. Bürgerrechtler bleiben der Demo fern. Sie halten die Schmierereien für eine Stasi-gelenkte Provokation.

Der Stasi-Nachfolger „Amt für Nationale Sicherheit“ soll bis zum 20. Juni 1990 liquidiert sein, berichtet der Tagesspiegel. Es sei bereits ein Arbeitsstab gebildet worden, um die juristischen Fragen zu klären. Einige Wohnheime, Arbeitsräume und Werkstätten habe die Stasi bereits für die „zivile“ Nutzung freigegeben.

Ex-Spion Günter Guillaume spricht im Jugendradio DT 64 den Kundschaftern der DDR im Ausland Mut zu. „Mir ist keine Panne bekannt, und ich wünsche Ihnen draußen alles Gute und vor allen Dingen weiter Gesundheit und Sicherheit“, sagt Günter Guillaume, der gerade an den Korrekturen für die Zweitausgabe seines Buches „Die Aussage“ sitzt. Die Wende hat ihn offenbar durchaus zum Nachdenken gebracht. Er spüre ein „Gefühl des Missbrauchs“, bekennt Guillaume, weil die Agenten zwar „Schild und Schwert der Parteiführung“ gewesen seien, aber nicht des Staates und schon gar nicht des Volkes. Guillaume stirbt 1995 an Krebs.loy

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