SERIE WENDEKalender : 30. November 1989

Wolf Biermann darf wieder in die DDR Ärztemangel in Ost-Berlin.

JAHRE

MAUERFALL

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Der 1976 ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann darf in die DDR einreisen, erklärt Kulturminister Dietmar Keller. Die Regierung komme damit einer Bitte vieler DDR-Künstler nach. Biermann soll in Ost-Berlin und anderen Städten der DDR Konzerte geben. Der Liedermacher knüpft sein Kommen allerdings an die Bedingung, dass der Dissident und ehemalige DDR-Schriftsteller Jürgen Fuchs ebenfalls einreisen darf. Fuchs war wegen seines öffentlichen Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns neun Monate in Stasi-Haft. Er stirbt 1999 an Leukämie. Freunde machen die Stasi für seine Krankheit verantwortlich.

Ein Elternpaar aus Alt-Glienicke (Osten) hat die Aufnahme ihres geistig behinderten Mädchens an einer Sonderschule in Neukölln beantragt. In der DDR könne das Mädchen nur einen Hort besuchen, keine richtige Schule, heißt es. Schulrätin Monika Marcks kündigt eine wohlwollende Prüfung an. Die Senatsschulverwaltung erklärt, es gebe generell keinen Anspruch auf Beschulung im Westen, solange die Eltern nicht in den Westen übersiedeln.

Der West-Berliner Ärztekammerpräsident Ellis Huber erwägt eine Verschickung von Krankenhausärzten nach Ost-Berlin. Dort sind derzeit viele Arztstellen fluchtbedingt unbesetzt. Allerdings gibt es Probleme mit der Bezahlung der Mediziner. Ost-Ärzte erhalten im Monat nur 1000 bis maximal 2500 Ostmark. „Die West-Kollegen bekommen dagegen durchschnittlich das Vierfache in DM.“ Die Ost-Berliner Ärzte hätten bereits mit Streiks gedroht, falls es beim Hilfseinsatz von West-Ärzten zu eklatanten Bezahlungsunterschieden kommen sollte.loy

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