SERIE WENDEKalender : 8. Februar 1989

Westliche Wanzen: Wie die Kirche im Osten bespitzelt wurde

20 JAHRE MAUERFALL

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Beim Ost-Berliner Pfarrer Reiner Eppelmann sind weitere Wanzen aufgetaucht. Diesmal sind eine Stehlampe und ein Radio die Fundorte von Minisendern. Offenbar wurde Eppelmann in seiner gesamten Wohnung abgehört. Der Friedensaktivist und Pfarrer an der Samariterkirche in Friedrichshain hatte Ende Dezember 1988 versucht, in seinem Arbeitszimmer eine defekte Steckdose zu reparieren und war dabei auf hochwertige Abhörtechnik der West-Firmen Siemens und SEL gestoßen. Die Kirchenleitung protestierte beim Magistrat der Stadt und stellte Anzeige „gegen Unbekannt“ bei der DDR-Generalstaatsanwaltschaft. Leider konnten die Staatsanwälte trotz „intensiver Recherchen“ keinen Tatverdächtigen ermitteln, und weil Lauschangriffe gegen Privatpersonen in der DDR nicht strafbar seien, stellte sie das Verfahren kurzerhand ein. Eppelmann betraute daraufhin den Ost-Berliner Anwalt Gregor Gysi damit, eine Beschwerde gegen die Verfahrenseinstellung einzulegen. Der Fall habe für die Kirchenleitung, so schreibt der „Spiegel“, „exemplarische Bedeutung“. In der gesamten DDR hätten sich Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter „mit dem Schraubenzieher“ auf die Suche nach Wanzen in ihren Räumen gemacht. loy

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