• SERIE: Wenn Ochs und Kranich um die Wette lärmen. Die Prignitz bietet tolle Beobachtungsplätze für beeindruckende Vögel und andere Tiere.

SERIE : Wenn Ochs und Kranich um die Wette lärmen. Die Prignitz bietet tolle Beobachtungsplätze für beeindruckende Vögel und andere Tiere.

Auszeit in Brandenburg

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Entdeckungsreise am Fluss.
Entdeckungsreise am Fluss.

Nach einer guten halben Stunde gibt der Ochse auf. Erschöpft senkt er seinen Kopf, trabt ein paar Schritte und bleibt dann stehen. Kein Trompetenstoß aus der Luft bringt das Tier mehr aus der Ruhe. Dabei hat er bis zuletzt aus Leibeskräften gerufen und am Ende auch ein wenig gebrüllt. „Er will immer ganz lange mit den Geräuschen der Kraniche mithalten“, erklärt die Naturwächterin Ricarda Rath den Exkursionsteilnehmern. „Aber irgendwann fliegen einfach zu viele Vögel über seinen Kopf, so dass er dann sein Rufen aufgibt.“

Nach dem Verstummen des Bullen gehört die Einflugschneise zum Rambower Moor wieder ganz allein den Kranichen. 3500 Tiere legen hier, in der Nähe der Elbestadt Lenzen in der nördlichen Prignitz, eine Rast auf dem Weg von Südschweden in die Überwinterungsquartiere im spanischen Andalusien, im südlichen Frankreich oder in Nordafrika ein. Erst Anfang Dezember brechen sie zum Weiterflug auf, wenn Schnee und Frost die Nahrungssuche unmöglich machen. Bleibt es aber mild, sparen sich immer mehr Kraniche die lange Reise und bleiben in Brandenburg.

Die Zahl von 3500 Kranichen in der Umgebung des kleinen Dorfes Rambow hört sich im Vergleich zum größten mitteleuropäischen Rastrevier in Linum nordwestlich Berlins natürlich bescheiden an. Schließlich halten sich derzeit an den Linumer Teichen mehr als 100 000 Vögel auf. Dorthin strömen aber auch täglich Besucher in Massen. An den Wochenenden drängeln sich auf den Wegen schon mal mehrere tausend Naturfreunde, die in der abendlichen Dämmerung einen Blick auf die einfliegenden Formationen erhaschen wollen.

Am fast 200 Kilometer von Berlin entfernten Rambower Moor dagegen gibt es reichlich Platz. Die Gegend gehört zu den am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands, und auch die Zahl der Urlauber hält sich in Grenzen. „Wir haben im Storchendorf Rühstädt eine gute Unterkunft gefunden“, erzählt während der geführten Kranichwanderung eine Urlauberin aus den USA. „Dort hören wir bis spät in der Nacht durch das offene Hotelfenster die Gänse schnattern.“ Der rufende Ochse sei am Anfang der Tour noch ein zusätzlicher Spaß gewesen. Nur die Beobachtung eines Seeadlers, der in der Nähe der Elbe mit seinen mehr als zwei Meter langen Schwingen eine Runde drehte, habe die weit gereiste Frau noch stärker beeindruckt. „Ich werde bestimmt wiederkommen“, versichert die Frau, die regelmäßig ihre Schwester in Hamburg besucht. „Vielleicht schon wegen dieser wundervollen Singschwäne.“ Deren Ankunft erwarten die Naturwächter in den nächsten Tagen. „Dann geht’s auch am Rambower Moor rund“, sagt Naturwächterin Kathrin Heinke. „Die Kraniche fliegen zu ihren Schlafplätzen im halbhohen Wasser, während sich auf den tiefen Gewässern tausende Nordische Gänse den Platz mit den strahlend weißen Schwänen teilen.“ Deren Gesang müsse man einfach mal gehört haben.

Die Schwäne und nordischen Gänse kommen aus Russland, dem Baltikum und aus Skandinavien in die Prignitz. Während die schnatternden Wildgänse bei tiefen Temperaturen lieber an die Nordsee flüchten, bleiben die meisten Singschwäne bis zum nächsten Frühjahr in Brandenburg. Neben der Prignitz gehört der Nationalpark Unteres Odertal bei Schwedt, rund 100 Kilometer nordöstlich Berlins, zu den bevorzugten Quartieren.

Kurz nach dem völligen Eintritt der Dunkelheit kehrt schlagartig Ruhe ein am Rambower Moor. Mit Taschenlampen leuchten die Naturwächter und einige gut ausgestattete Urlauber den Weg zurück zu den abgestellten Autos an der Kirche. Hier haben auch einige Radtouristen ihre Räder abgestellt, mit denen sie tagsüber den Rambower See auf einem guten Feld– und Waldweg umrundet hatten. Zwei Beobachtungstürme erlauben hier schöne Ausblicke in eine scheinbar ursprüngliche Landschaft. Noch vor drei Jahrzehnten entwässerten tiefe Gräben und Pumpen das Moor, um die Flächen landwirtschaftlich nutzen zu können. Mit erheblichem Aufwand wurde diese Melioration wieder rückgängig gemacht. Das Wasser übernahm wieder die Macht und es entstand ein lohnender Ort für Naturinteressierte.

HEUTE:

DIE PRIGNITZ

Die weiteren Folgen

Schorfheide 20.10.

Spreewald 1.11.

Bad Saarow 8.11.

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