Serie: Wie andere Länder Weihnachten feiern : Hölzerne Heerscharen

In Italien beginnt der Aufbau der Krippe Anfang Dezember. Von Tag zu Tag kommen Figuren hinzu. Schafe symbolisieren die Kinder, die sich dem Jesuskind nähern – wenn sie brav waren

Elisabeth Binder
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Rosanna Dona Dalle Rose, die Frau des italienischen Botschafters, erklärt Gästen gern die Details der Krippe. -Foto: Spiekermann-Klaas

Ihr Name klingt wie eine Melodie: Rosanna Dona Dalle Rose. Die Frau des italienischen Botschafters Antonio Puri Purini kommt aus einer uralten venezianischen Familie. Bis zum 13. Jahrhundert lassen sich die Wurzeln zurückverfolgen. Vier Dogen hat die Familie im Laufe der Jahrhunderte gestellt. Der Doge ist das Stadtoberhaupt von Venedig. Einer von ihnen, Leonardo, war Botschafter in Madrid, dann im Vatikan. Vor einigen Hundert Jahren hat er nach heftigen Streitigkeiten für die Stadt Venedig einen Friedensvertrag mit dem Papst geschlossen und dafür drei goldene Rosen bekommen, die sich noch heute im Familienbesitz befinden, daher der Name.

Von Weihnachten in ihrer Heimat erzählt sie gern. In italienischen Familien beginnt der langsame Aufbau der Krippe Anfang Dezember. Jedes Kind der Familie wird durch ein Schaf symbolisiert. Wenn das Kind brav ist, rückt es täglich ein Stück näher an die Krippe heran. War es böse, rückt es von der Krippe weg. Das jüngste Kind in der Familie, das dazu in der Lage ist, legt am Heiligen Abend das Christuskind in die Krippe. Rosanna Dona Dalle Rose, die selber drei Geschwister hat, war vier Jahre alt, als sie das zum ersten Mal tun durfte. Auch nach Weihnachten bleibt die Krippe in Bewegung, täglich rücken die drei Könige ein Stück vor.

In der Botschaft steht eine viel bewunderte Krippe, die Nachbildung einer historischen Krippe aus dem 18. Jahrhundert aus Neapel, wo viele Weihnachtsdekorationen und Krippenelemente produziert werden. An dieser Krippe gibt es sogar einen Fleischerladen und eine Küche. „Wir wollten unseren Gästen die schönen Seiten von Neapel zeigen“, sagt die Frau des Botschafters. Ihren Gästen erklärt sie auf Englisch gerne die Details. Die private Krippe der Familie sieht allerdings ganz anders aus, enthält viele Sammelstücke.

Als ihre Tochter Chiara vier Jahre alt war, wünschte sie sich ein Barbie-Puppenhaus. Die Familie brauchte damals gerade ein neues Sofa. „Guck mal, da ist euer Sofa“, rief Chiara, als sie Heiligabend das Weihnachtszimmer betrat und das riesige, schön verpackte Puppenhaus von Weitem sah.

Rosanna Dona Dalle Rose hat Psychologie und Philosophie studiert und ist im Vorstand der Marzotto Foundation engagiert. Ihr Großvater mütterlicherseits hat, um schnell Arbeitsplätze zu schaffen, nach dem Krieg ein Textilunternehmen gegründet, zu dem zeitweise auch die Designermarken Valentino und Hugo Boss gehörten. Die Stiftung kümmert sich um Kindergärten, Erholungsurlaube Seniorenheime für die Beschäftigen des Unternehmens. Auch in der Botschaft engagiert sie sich. Gerade hat sie dort eine Galerie von Zitronen- und Orangenbäumen etabliert, die duften, aber viel Pflege brauchen. Das Weihnachtsfest verbindet sie selber mit dem Duft von Clementinen.

Heiligabend wird in der Familie traditionell Fisch gegessen. Das ist eine katholische Tradition des Fastens vor dem eigentlichen Fest. Venezianer lieben besonders den Branzino. Dazu gibt es Ravioli mit Kräutern gefüllt. Typisches italienisches Weihnachtsgebäck ist der Panettone. Ansonsten gibt es nicht so viele Süßigkeiten wie hier. „Unseren Zucker ziehen wir aus der Pasta“, lächelt die Frau des Botschafters. Zum Nachtisch isst man lieber Obst. Die Kinder sagen Gedichte auf, müssen aber keine Lieder singen. „Um Mitternacht gehen wir alle zusammen zur Kirche.“ Am nächsten Tag spielen die Kinder mit den Geschenken, die sie abends ausgepackt haben, und zum Mittag gibt es zum Beispiel Truthahn mit Pasta. Die Weihnachtszeit endet am 6. Januar, der in Italien ein Feiertag ist.

Weihnachten feiert die Botschafter-Familie traditionell in Cortina d’Ampezzo, in den Dolomiten. „Da ist garantiert, dass wir eine weiße Weihnacht haben“, lächelt die weltläufige Mutter von vier erwachsenen Kindern. Sie hofft, dass auch diesmal alle Kinder zusammenkommen, obwohl ein Sohn inzwischen in Argentinien lebt.Hätten Sie Lust auf einen vorweihnachtlichen Besuch der italienischen Botschaft? Die Vertretung in Tiergarten öffnet für eine Gruppe von Tagesspiegel-Lesern ihre Türen: am Freitag, 19. Dezember, 15 Uhr. Treffpunkt ist das Hauptportal, Tiergartenstr. 22. Eine Kunsthistorikerin wird durch die Kunstsammlung führen. Als Willkommensgruß bekommen die Gäste italienischen Weihnachtskuchen. 20 Personen können dabei sein, der Tagesspiegel verlost die Plätze. Bewerben Sie sich bitte per E-Mail unter verlosung@tagesspiegel.de (Stichwort „Italien“) – bis Montag 15. Dezember, 12 Uhr. Wichtig: In der Mail bitte Vor- und Zuname, Adresse und Geburtsdatum nennen. Die Angaben werden für die Anmeldung bei der Botschaft benötigt. Die Gewinner benachrichtigen wir per E-Mail.

Nächste Folge am Montag: Schweden

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