Berlin : Serienbrandstifter: "Er kommt im Dunkeln, und er geht im Dunkeln"

Werner Schmidt

In Pankow treibt seit nunmehr neun Jahren ein Brandstifter sein Unwesen - gefasst werden konnte der Unbekannte bisher nicht. Rund 50 Brände kommen nach Einschätzung der Kripo auf sein Konto. Immer waren es Dachstühle, die in Flammen aufgingen. Bei den Bränden wurden auch mehrere Mieter leicht verletzt; sie mussten wegen Rauchvergiftungen in Krankenhäusern behandelt werden. Zu schwereren Verletzungen kam es bisher glücklicherweise nicht. Den entstandenen Sachschaden wagen noch nicht einmal Brandexperten im Landeskriminalamt (LKA) zu schätzen.

Begonnen hatte die Brandserie an der Wollankstraße, inzwischen sind Wohnhäuser im Bereich zwischen dem Rathaus Pankow und der Thulestraße betroffen. Möglicherweise ist der Täter nun sogar noch in Prenzlauer Berg unterwegs. Dort brannten zwei Dachstühle: Am 5. Juli in einem Altbau an der Wichertstraße, jetzt an der Schönfließer Straße.

In beiden Häusern wurde der Dachstuhl ausgebaut und stand kurz vor der Fertigstellung. Zwar sei bei dem Brand an der Wichertstraße auch eine technische Ursache denkbar, sagte ein LKA-Brandermittler. Andererseits seien die Ähnlichkeiten der Brandentstehung in beiden Fällen frappierend ähnlich. Beide Feuer waren gegen 5 Uhr früh entdeckt worden, die Häuser waren nicht abgeschlossen und der Zugang zu den Dachgeschossen war offenbar ungehindert möglich.

Wenn diese Brände das Werk des unbekannten Feuerteufels sind, dann hat er nicht nur das gewohnte Terrain gewechselt, sondern zuvor auch rund drei Monate pausiert. Die letzten Brände wurden Ende März gelegt. Damals wurden die Dachstühle von zwei Häusern an der Flora- und der Berliner Straße in Pankow stark beschädigt.

Einen Ratschlag erteilt die Kripo: "Wenn die Leute ihre Häuser abschließen, kann nichts passieren!" Denn der Brandstifter gelangte jedes Mal durch die unverschlossenen Haustüren in die Gebäude. Hinweise auf ihn gibt es offenbar so gut wie keine: "Er kommt im Dunkeln, und er geht im Dunkeln", sagte ein Brandermittler. Zwar habe man die polizeibekannten Brandstifter überprüft, aber einer nach dem anderen fiel aus dem Raster. Die Kripo konzentriert sich auf die Suche nach einem Unbekannten, den bisher offenbar noch nicht einmal Zeugen beobachtet haben. Die Brände entstehen zwar immer in den frühen Morgenstunden, aber es ist kein weiteres Muster erkennbar. Der Brandstifter hält sich weder an bestimmte Tage noch sucht er die Häuser nach bestimmten Kriterien aus.

Erst Ende Juni war ein Serienbrandstifter festgenommen worden, der im Reinickendorfer Norden über Monate hinweg mindestens 74 Brände, vorwiegend an Autos, gelegt hatte. Der entstandene Sachschaden liegt bei 1,5 bis 2 Millionen Mark. Menschen waren bei den Taten nicht verletzt worden. Auf der Suche nach dem Täter waren fast 2300 Polizisten in Zivil eingesetzt.

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