Berlin : Seriendieb gefasst: 200 Einbrüche gestanden

64-Jähriger war erst seit Januar wieder in Freiheit.Der Heroinsüchtige hält sich für BerlinsEinbrecherkönig

Tanja Buntrock

Am liebsten sind ihm doppelflügelige Altbautüren. Die bricht Bernd Sch. problemlos auf, um die Wohnungen anschließend auszuräumen. 40 Jahre macht der 64-Jährige dies schon. Insgesamt 20 Jahre seines Lebens hat er wegen Wohnungseinbruchs immer mal wieder im Knast verbracht. Doch seine kriminelle Karriere wollte er deswegen nicht aufgegeben. Schließlich ist der Serieneinbrecher heroinsüchtig. Für Heroin braucht man Geld. Und das besorgte sich Bernd Sch. stets durch einen schnellen Bruch. Doch nun ist erstmal Schluss. Am Donnerstag hat die Polizei den „Einbrecherkönig“ gefasst – wieder einmal.

Bernd Sch. ist stolz auf seine Taten: In der Vernehmung erzählte er den Beamten, dass er – wenn er mal so überschlägt– auf rund 200 Wohnungen kommt, in die er allein in diesem Jahr eingebrochen ist. Dabei war er erst am 17. Januar aus der Haft entlassen worden. Er soll dabei zuletzt vor vier Jahren wegen 15 Wohnungseinbrüchen verurteilt worden sein. Bernd Sch. brüstete sich bei den Beamten damit, dass er zu den „Top Ten“, aller jemals in Berlin agierenden Einbrecher gehöre.

Doch am Donnerstag hatte der Serien- Einbrecher Pech: Eine Wohnungstür in der Straßmannstraße in Friedrichshain hatte Bernd Sch. gerade gewaltsam geöffnet, da wurde er gestört. Der Sohn der Mieter, die derzeit verreist sind, wollte die Wohnung seiner Eltern kontrollieren. Bernd Sch. versuchte noch zu flüchten, doch der 27-Jährige war schneller und konnte den in die Jahre gekommenen Einbrecher im Hof stellen. Die Polizei fand Geld und Schmuck bei ihm. Zudem Werkzeug und weiteres Diebesgut auf einem Einbruch kurz zuvor in der Petersburger Straße.

Bernd Sch. gestand die Taten sofort und wollte dann „reinen Tisch“ machen, wie er den Beamten sagte. Unter den rund 200 Taten in diesem Jahr waren allein 14 Einbrüche im August – vor allem in Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Kreuzberg. Bernd Sch., der das erste Mal 1962 verurteilt worden war, erzählte, dass ihm die ehemaligen Ostberliner Bezirke am liebsten seien, weil die Mieter seiner Erfahrung nach die Türen noch nicht so fortschrittlich sichern wie die Leute im Westteil.

Wie viel Jahre Haft ihm jetzt bevorstehen, konnte Justizsprecher Michael Grunwald nicht vorhersagen. Auch gebe es keine Gesamtzahl der bisherigen Taten von Bernd Sch. Der „Einbrecherkönig“ sagte den Ermittlern, dass er immer sofort nach einer Entlassung wieder aktiv geworden sei. Gewohnt hat er in billigen Hotels und Pensionen, die er ständig gewechselt haben soll, wie die Polizei ermittelte. Vor allem Laptops, Kameras und Schmuck hat Bernd Sch. bei seinen Einbrüchen mitgenommen: Die Beute habe er schnell bei den verschiedensten Hehlern absetzen können. Oder er tauschte das Diebesgut gleich direkt gegen Heroin ein. Doch bei aller Offenheit: Mehr Details wolle er den Ermittlern dazu nicht preisgeben: „Ganovenehre“, sagte er.

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