Berlin : Serientäter Sawis steht schon wieder vor Gericht

33 Tage nach dem letzten Urteil schlug er erneut zu. Anklage wegen Körperverletzung und Raub

Kerstin Gehrke

Genau 33 Tage blieb Sawis nach dem letzten Urteil ohne Straftaten. Dann setzte der als Schulhofschläger bekannt gewordene Jugendliche wieder seine Fäuste ein. Das gab er gestern vor einer Jugendstrafkammer auch zu. Er aber will nur reagiert haben auf üble Dinge, die ihm widerfahren seien. „Ich bekam einen Schlag an den Kopf und habe gleich zurückgeschlagen“, erklärte er zu einem Vorfall. Zu einem laut Anklage brutalen Handy-Raub meinte er: „Ich war sauer, weil der mich an der Nase herumgeführt hat.“

Die Polizei kennt Sawis J. seit seiner Kindheit. Im Frühjahr 2003 war er als „Schulhofschläger von Marienfelde“ in die Schlagzeilen geraten. Der damals 16-Jährige hatte nach einem Streit auf dem Schulhof fünf Lehrer verprügelt. Vor Gericht war er auf Milde gestoßen: 20 Monate Haft auf Bewährung verhängte ein Amtsgericht. Im Dezember letzten Jahres wurde in einem weiteren Prozess eine Gesamtstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung verhängt.

Dann gab es die Vorfälle, die zur Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Raubes führten. In der Nacht zum 16. Januar soll Sawis vor einem Lokal in Tempelhof zugeschlagen und vier Monate später mit einem Messer ein Handy erbeutet haben. Bei der Sache im Lokal allerdings will er sich nur gewehrt haben. „Ich hatte den am Eingang aus Versehen angerempelt, der pöbelte gleich los und schlug zu, ich schlug zurück.“ Ein bis zwei Mal habe er ihn getroffen. „Zeugen sagen, dass eine stämmige Person zuerst zuschlug“, hielt ihm der Vorsitzende Richter vor.

Ob er mal überlegt habe, dass er wegen der Bewährungsstrafe solche Lokale besser meiden sollte, wurde Sawis gefragt. Er schien überrascht und entschied sich für eine Gegenfrage: „Warum sollte ich in der Bewährungszeit nicht weggehen?“ Und der Vorfall mit dem Handy war nach seiner Version ebenfalls von der Gegenseite ausgelöst worden. Er habe dem 18-jährigen Micha ein Handy zur Versteigerung übers Internet gegeben. Micha aber habe ihn immer wieder vertröstet. Da habe er sich sein Handy mit Gewalt zurückgeholt, meinte der Angeklagte. Der Zeuge allerdings widersprach: „Das war mein Handy. Weil ich es nicht herausgab, schlug er zu.“

Sawis – ein unverbesserlicher Schläger? Der Verteidiger des Jugendlichen, der früher von seinem Vater vehement in Schutz genommen wurde, hielt dagegen: „Er hatte sich nach dem ersten Urteil zunächst gut entwickelt.“ Dann aber habe Sawis „illegal aufgepumpt“, habe Anabolika geschluckt. Dadurch sei er aggressiv geworden. Jetzt droht Sawis eine Haftstrafe.

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