Serratien-Alarm : Keime in der Charité - eine Chronologie
30.10.2012 18:12 Uhr8. JULI 2012
Bei einem früh geborenen Säugling wird kurz nach der Entbindung ein Befall mit einem Serratien-Keim durch einen Abstrich am Ohr festgestellt. Er hat sich wahrscheinlich während der Geburt durch einen Darmkeim der Mutter, der ins Fruchtwasser gelangte, angesteckt. Das sei nicht ungewöhnlich, sagt die Charité, und ein Einzelfall gewesen, der keiner Meldung bedurfte.
16. JULI
Bei einem zweiten Kind wird der Darmkeim nachgewiesen, die Charité bringt diesen Fall zu diesem Zeitpunkt aber nicht in Zusammenhang mit dem ersten und meldet ihn ebenfalls nicht.
Rückschauend heißt es jetzt, dass es sich dabei um eine noskomiale Infektion handelte, die durch den Aufenthalt oder die Behandlung in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung verursacht wurde. Danach hat es nach Angaben der Charité keine weiteren Fälle mehr gegeben. Nach Angaben von Karl Schenkel, der das so genannte Ausbruchsteam leitet, das im Auftrag des zuständigen Gesundheitsamts die Vorfälle am Virchow-Klinikum untersucht, kam es hingegen von Juli bis Oktober zu weiteren Fällen. Schenkel spricht von 20 bis 30 Betroffenen. Die Charité hat den Zusammenhang der Fälle nicht erkannt“, sagt er.
28.SEPTEMBER
Es gibt einen erneuten Befall eines Neugeborenen mit dem Keim, festgestellt wird dies aber erst am 5. Oktober. Das Baby, das später stirbt, liegt zu diesem Zeitpunkt auch auf der Station.. Es ist kein Frühgeborenes, liegt nur hier, weil es einen schweren Herzfehler hat und deshalb ebenfalls besondere Bedingungen braucht.
2./ 3. OKTOBER
Das Baby kommt als Notfall von der Charité ins Herzzentrum, die Operation verläuft nach Angaben des Herzzentrums erfolgreich. .
5.OKTOBER
Das Baby stirbt.
8.OKTOBER
Mehrere Befunde sind positiv, mehrere Kinder befallen oder schon erkrankt. Sie werden streng isoliert, die Suche nach dem Erreger beginnt.
Das Herzzentrum erhält den Befund, dass das verstorbene Neugeborene mit dem Serratia-Keim infiziert war. Später stellt sich heraus, dass ein anderes Baby, das am gleichen Tag operiert wurde wie das verstorbene und im Bettchen nebenan lag, ebenfalls infiziert wurde. Es ist inzwischen wieder gesund.
9.OKTOBER
Das Gesundheitsamt Mitte wird über den Ausbruch per Mail und Telefon informiert. Zu diesem Zeitpunkt sind 15 Kinder mit dem Keim kolonisiert, das heißt, er wurde auf der Haut, im Darm oder auf den Schleimhäuten nachgewiesen, die Kinder zeigen aber keine Krankheitssymptome. Sieben Kinder sind erkrankt – bei ihnen wurde der Keim im Blut oder Rückenmarkwasser nachgewiesen.


















