Serratien in der Charité : Baby starb nicht an Darmkeimen

Die Obduktion des toten Babys hat ergeben, dass die Darmkeime nicht für seinen Tod verantwortlich sind. Der Charité-Chef verteidigt indes seine Informationspolitik: Aus Anstand den Eltern gegenüber habe er nicht alle Details in die Öffentlichkeit getragen.

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dapd
Unter dem Mikroskop sehen sie eigentlich recht harmlos aus: Charité-Chef Einhäupl hält es für unwahrscheinlich, dass die...

Mehr als drei Wochen nach der Verbreitung von Darmkeimen auf der Frühgeborenenstation der Charité steht nun fest, dass die Bakterien nicht für den Tod eines Neugeborenen verantwortlich sind. Nach vorläufigen Bewertungen sei davon auszugehen, dass das Kind nach einer hochkomplizierten und riskanten Operation eines natürlichen Todes gestorben sei, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Weitere Untersuchungen zur abschließenden Klärung der Todesursache stünden noch aus.

Das Kind war wie berichtet von der Frühgeborenenstation zur Operation ins Herzzentrum verlegt worden, erst drei Tage nach seinem Tod war dort der Befund über den Keimbefall des Babys eingetroffen. Die Staatsanwaltschaft, die wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt ermittelt, hat das Kind exhumieren und obduzieren lassen.

Heftige Kritik üben Gerichtsmediziner und der Bund Deutscher Kriminalbeamter jedoch an den Vorgängen rund um die Feststellung des Todes des Babys. Es könne nicht sein, dass die Ärzte, die das Kind behandelt oder operiert haben, auch den Totenschein ausstellen, hieß es. Dies müsse durch einen unabhängigen und speziell dafür ausgebildeten Rechtsmediziner erfolgen. Der hätte den Eltern des Babys wahrscheinlich sofort zur Obduktion geraten – immerhin war es drei Tage vor seinem Tod operiert worden.

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Charité-Chef Karl Max Einhäupl bat um Verständnis dafür, dass nicht jedes Detail zu dem verstorbenen Kind der Öffentlichkeit mitgeteilt werde. „Das hat auch etwas mit Anstand den Eltern gegenüber zu tun.“ Er sei sehr froh, dass keine neuen Fälle aufgetreten seien.

Laut Charité war am Dienstag ein Frühgeborenes mit Serratien-Besiedelung, das vor einigen Tagen entlassen wurde, mit einem Infekt der oberen Luftwege vorgestellt worden. Dem Kind gehe es gut, es werde aber stationär beobachtet. Auch die anderen betroffenen Babys seien stabil. Die Quelle für den Keimausbruch ist nach wie vor nicht gefunden.

Die Charité hat am Dienstag auch Tagesspiegel-Informationen bestätigt, wonach es bereits im Jahr 2010 mehrere Fälle von multiresistenten Keimen (MRSA) auf der Frühgeborenenstation gab. Es sei aber kein Kind daran gestorben und das Gesundheitsamt informiert gewesen, sagte eine Sprecherin.

Der Krisenstab des Bezirksamts Mitte, der die Vorgänge in der Charité und im Herzzentrum untersucht, hat ab sofort eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Unter „BKS@ba-mitte.berlin.de“ könnten Patienten, Ärzte oder Schwestern Beobachtungen mitteilen oder Fragen zum Fall stellen, hieß es.

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