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Serratien-Keim : Charité: Bei uns wird nicht geschlampt

Die Charité hat die Kritik zurückgewiesen, dass der Hygienezustand auf ihrer Frühchenstation mangelhaft sei. Zudem wurde bekannt, dass sich im Oktober auch im Herzzentrum ein Säugling bei dem später verstorbenen Baby angesteckt hatte. Über die Ursachen wird weiterhin gestritten.

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Petra Gastmeier, Leiterin des Instituts für Hygiene an der Charite zeigt neben Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie, bei einer Pressekonferenz der Universitätsklinik Charite am 23.10.2012 am Standort in Berlin Mitte eine Tabelle zur Händedesinfektion in der Neonatologie.
Petra Gastmeier, Leiterin des Instituts für Hygiene an der Charite zeigt neben Christoph Bührer, Direktor der Klinik für...Foto: dpa

Am Berliner Herzzentrum hat sich ein zweites Kind mit dem Serratien-Keim angesteckt, an dem ein Neugeborenes am 5. Oktober verstorben war. Das bestätigte der Direktor der Klinik für Angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie, Felix Berger, am Dienstag auf einer Pressekonferenz von Herzzentrum und Charité. Der Junge, der aus einer Potsdamer Klinik kam, sei wie das später verstorbene Kind am 2. Oktober operiert worden und habe neben diesem gelegen, sagte er. Der Junge sei erfolgreich mit Antibiotika behandelt worden und könne am heutigen Mittwoch entlassen werden.

Die Ärzte gehen davon aus, dass der Keim, der nur für Menschen mit extrem geschwächtem Immunsystem wie Frühgeborene gefährlich ist, mit dem später verstorbenen Kind ins Herzzentrum gelangte. Dieses Kind war zwar nicht zu früh, aber mit schwerem Herzfehler zur Welt gekommen.

Deshalb hatte man es auf einer der Frühgeborenenstationen der Charité untergebracht, von wo aus es als Notfall ins Herzzentrum kam. Zu diesem Zeitpunkt war aber nicht bekannt, dass es mit dem Keim infiziert war.

Die Frühgeborenen-Stationen der Charité bleiben wegen des Keimbefalls weiter geschlossen, sagte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei auf der Pressekonferenz. Von den 40 Frühgeborenen, die dort derzeit behandelt werden, seien 22 mit Serratien-Keimen befallen, sieben daran erkrankt. Doch alle seien in stabilem Zustand und hätten gut auf die Therapie angesprochen, sagte der Leiter der Frühgeborenen-Station Christoph Bührer.

Frei verwahrte sich scharf gegen Vorwürfe der Schlamperei. Die Mitarbeiter der neonatologischen Intensivstation seien „hochqualifiziert und hochmotiviert", sagte er. Äußerungen von Kritikern, wonach der Ausbruch auf mangelhafte Hygienemaßnahmen zurückzuführen sei und Angestellte deshalb entlassen werden müssten, wies er zurück. Er halte auch die Personalausstattung für vertretbar, obwohl der vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlene Personalschlüssel von drei Pflegern pro Bett auf der Intensivstation für Frühchen vom Stammpersonal nicht erreicht werde: mit Extraschichten und Überstunden komme man auf 2,85 bis 2,91 Mitarbeiter pro Bett.

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Nach bisherigen Erkenntnissen sei der Keimausbruch auf die Infektion eines Frühgeborenen durch seine Mutter während der Geburt zurückzuführen, hieß es auf der Pressekonferenz. Das sei im Juli geschehen. Das Kind habe noch im selben Monat ein weiteres Baby angesteckt – danach habe es aber bis Ende September keine neuen Fälle mehr gegeben.

Dem widersprach am Dienstag der Leiter der Hygiene- und Umweltmedizin im Bezirk Mitte, Karl Schenkel. Von Juli bis Oktober seien im Virchow-Klinikum der Charité mehrere Fälle von Keimausbrüchen registriert worden. Er spricht von etwa 20 bis 30 Betroffenen. Da es Einzelfälle und die Stationen teilweise auch über längeren Zeitraum keimfrei waren, wurde es nicht gemeldet. Erst wenn mindestens zwei Patienten betroffen sind, muss das erfolgen. „Die Charité hat den Zusammenhang der Fälle nicht erkannt“, sagte Schenkel. Seit Montag ist er auch Chef des „Ausbruchsteams“, das die Vorfälle am Virchow-Klinikum untersucht.

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