SERVICE : Kuscheln mit Alpakas

Jugendliche sind auf der Grünen Woche eine Minderheit, aber es gibt sie Statt Wein und Wurst zu testen, streicheln sie Tiere oder probieren Parfüms

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Junges Gemüse. Wie fast alle jungen Besucher der Grünen Woche zieht es Sarah und Jennifer zu den Tieren. Die Schau der Katzen überlassen sie aber gerne den Älteren.Foto: Paul Zinken Foto: Paul Zinken
Junges Gemüse. Wie fast alle jungen Besucher der Grünen Woche zieht es Sarah und Jennifer zu den Tieren. Die Schau der Katzen...Foto: Paul Zinken

Ein bisschen fallen Sarah und Jennifer schon auf, wie sie in der Blumenhalle der Grünen Woche die Gärten bestaunen und dann einen Strauß Tulpen kaufen. Die beiden 16-jährigen Mädchen sind mit Abstand die Jüngsten hier, die meisten anderen Messegäste könnten vom Alter her ihre Eltern oder Großeltern sein. Auf der Grünen Woche geht es schließlich um Kleingärtnern, das Testen von Weinen und Würsten und um ganz besondere Rassekatzen. Nur etwa jeder zehnte der jährlich rund 400 000 Grüne-Woche-Besucher ist nach Angaben der Veranstalter im Kindesalter oder Jugendlicher.

Ist die Messe langweilig für junge Besucher? Nö, finden die Mädchen von der Oberschule im brandenburgischen Nauen. Es gebe genug Interessantes, auch abseits von aufgezwungenen Unternehmungen im Rahmen von Klassenfahrten. Am Probiergläschen Wein aus Baden schlendern die beiden gelangweilt vorbei. Viel lieber schnuppern sie am Stand Tunesiens am Parfüm „Liebesnächte“. Beide sind mit der Schulklasse angereist – auf eigenen Wunsch, weil es ihnen vergangenes Jahr so gefiel. Jennifer fachsimpelt mit Haltern des mexikanischen Schwanzlurchs Axolotl, der auch zu Hause in ihrem Aquarium schwimmt. In der Tierhalle wollen sie gar nicht mehr weg von den Alpakas mit dem weichen Fell. Der Weg durch die Hallen ist anstrengend. „Es ist so voll, und die Rentner stehen mitten im Weg rum“, sagen sie genervt.

Die meisten Angebote der Messe interessieren sie nicht. Die neun Meter hohe Kiefer am Stand der Berliner Forsten in Halle 4.2 wollen sie lieber nicht hochklettern, und das Schnitzen und Drechseln von Kerzenhaltern überlassen sie auch anderen. Jüngere Kinder schütteln auf dem Erlebnisbauernhof in Halle 3.2 Sahne zu Butter, pusten mit dem Blasrohr auf Zielscheiben oder setzen sich für ein Foto in die Traktoren. Nebenan in Halle 1.2b ist die Warteschlange lang vor dem Wasserbecken, wo Kinder in Plastikbälle krabbeln und auf dem Wasser herumkugeln können. Am Stand der Welthungerhilfe schwitzen Achtklässler der Kreuzberger Carl von Ossietzky-Schule auf Heimtrainern, für jeden gefahrenen Kilometer fließt ein Euro für den guten Zweck.

Harun, 13, ist begeistert. „Ich hab Wii gespielt, Glücksräder gedreht und war in den Wasserbällen drin“, sagt er. Nicht alle Schüler teilen seine Freude. „Die anderen Kulturen waren cool, aber sonst haben wir bis auf die Tiere nichts wirklich Tolles gesehen“, sagen Charline und Alicia-Ann von der Oberschule am Airport Schönefeld. Als der Schulausflug beendet ist, gehen sie sofort zum Ausgang. Sarah und Jennifer bleiben. Sie wollen sich doch noch eine Tierschau angucken.

NOCH DREI TAGE

Am Sonntag um 18 Uhr endet die Grüne Woche. Bis dahin können Besucher täglich ab 10 Uhr an den Ständen von mehr als 1600 Ausstellern aus 57 Ländern entlangschlendern, Tiere bestaunen und Souvenirs aus exotischen Ländern kaufen. Die besten Schnäppchen gibt es erfahrungsgemäß am Sonntag, wenn die Aussteller sich auf ihre Abreise vorbereiten.

LÄNGER GEÖFFNET

Am Freitag und Sonnabend öffnen die Hallen wieder länger. Statt wie sonst bis 18 Uhr können heute und morgen die Besucher bis 20 Uhr durch die Hallen laufen.

GÜNSTIGER SONNTAG

Die Tageskarte für einen einfachen Besuch kostet 12 Euro, die Familienkarte für zwei Erwachsene und maximal drei Kinder bis 14 Jahre kostet 26 Euro. Ab 14 Uhr gibt es die „Happy Hour Karte“ für 8 Euro. Sonntags kostet die reguläre Karte 10 Euro. Und Kinder unter sechs Jahren haben generell freien Eintritt. Mehr Informationen unter www.gruenewoche.de. lvt

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