Berlin : Sex and Crime im Diplomatenviertel

Heute erscheint das Buch zum Skandal um den früheren Schweizer Botschafter

Elisabeth Binder

Ein Drehbuchautor hätte Mühe gehabt, den Stoff als fiktives Manuskript zu verkaufen. „Bisschen viel von allem“, hätte der Produzent vermutlich gesagt.

Vor fast genau einem Jahr ging in der Traumkulisse eines Luxushotels auf Mauritius ein Live-Drama in die Endphase, gegen das die meisten Soap-Operas wie Schlaftabletten wirken. Mitwirkende: die schöne Shawne Fielding, ihr Mann, der konfliktfreudige Schweizer Botschafter Thomas Borer, skandallüsterne Boulevardjournalisten, ein Außenminister, der dem Druck eben dieses Boulevards nicht standhalten kann und ein schwarzhaariges Luder, das in diversen eidesstattlichen Erklärungen eine erstaunliche Bandbreite zwischen „heißem Sex mit dem Botschafter“ und „gar keinem Sex mit dem Botschafter“ präsentiert.

Heute stellt Ex-Botschafter Thomas Borer das Buch zum Skandal mit dem sinnigen Titel „Public Affairs“ vor.

Ostersonntag vergangenes Jahr titelte der zum Schweizer Ringier-Konzern gehörende „Sonntagsblick“ mit der Zeile „Borer und die nackte Frau“ die Story über eine angebliche außereheliche Beziehung des Botschafters.

Auf Mauritius bricht die Hölle los. Borer und seine Frau weigern sich, eingeflogenen Reportern der „Bunten“ ein Interview zu geben. Auch der Aufforderung seines Außenministers, umgehend zum Rapport in die Schweiz zurückzufliegen, kommt der Botschafter nicht nach. Er wolle seine Frau nicht allein lassen, die in all der Aufregung ihr ungeborenes Kind verloren habe.

Außenminister Josef Deiss, der einem der konservativsten diplomatischen Corps in ganz Europa vorsteht, ist mit seiner Geduld am Ende. Er hat mit ansehen müssen, wie die Borers mit großen Auftritten und unerhörten Festen zum glamourösen Mittelpunkt der Berliner Gesellschaft aufstiegen, hatte sie in Illustrierten in ausgefallenen Kostümen gesehen und Shawne im Minirock vor der Nationalflagge. Nun zieht Deiss seinen Botschafter aus Berlin ab. Der plädiert auf „unschuldig“, vermisst Loyalität und quittiert seinerseits den diplomatischen Dienst.

Borer lässt sich in Potsdam als Unternehmensberater nieder, in der Villa Kampffmeyer, einst Schauplatz für den Austausch von Spionen. Wenige Wochen später erklärt das angebliche Botschaftsluder, das inzwischen teure Designerklamotten trägt und sich seine Nase hat richten lassen, nie eine sexuelle Beziehung mit Borer gehabt zu haben. Am 11. Juli trennt sich Ringier vom Sonntagsblick- Chefredakteur. Drei Tage später entschuldigt er sich im Sonntagsblick und zahlt eine Abfindung in Millionenhöhe.

Später taucht noch ein dubioser Geschäftsmann auf, der von Borer „Auslagen“ für das angebliche Luder zurückverlangt. Nach einem nächtlichen Polizeieinsatz, in der Villa Kampffmeyer, bei dem eine Pistole eine Rolle spielt, wird es still um das einstige Glamourpaar. Shawne wird wieder schwanger und verbringt einige Zeit in ihrer texanischen Heimat. Auf Festen werden die beiden nur noch sehr selten gesehen. Echte Nachfolger haben Borer-Fieldings nicht gefunden. Diese prickelnde Mischung aus Politik und Glamour, aus Sex und Crime, aus gleichzeitig berechnendem und völlig laienhaftem Umgang mit den Medien muss man erstmal hinbekommen. Nicht ausgeschlossen, dass dem Fall auch wieder ein Aufstieg folgt. Über kein Paar wurde landesweit so viel geredet wie über den Schweizer Botschafter und seine Frau. Der Film zum Buch wird ganz bestimmt nicht lange auf sich warten lassen.

Wie gut, dass Shawne Schauspielerin ist.

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