Berlin : Sex in the City

TV-Star Kim Cattrall stellte ihr neues Buch vor und sprach dabei nicht nur über das Eine

Elisabeth Binder

Was ist besser als Sex? Eine notorische Macho-Nymphomanin wie Samantha Jones aus der Kultserie „Sex and the City“ wird man das ja mal fragen dürfen. „Love“, haucht die Samantha-Darstellerin Kim Cattrall sehr lang gezogen. Mit ganz tiefer Stimme: „Liebe.“ Aber am allerbesten sei es natürlich, beides zugleich zu haben. Die Schauspielerin wirkt überraschend verbindlich. Sie ist nach Berlin gekommen, um ihr zweites Buch vorzustellen: „Sexual Intelligence“. Obwohl sie die Rolle als Sexplosive in New York inzwischen abgeschlossen hat und ernste Charaktere am Theater spielt, lässt sie das Thema nicht los. Sie trägt ein weißes Minikostüm zum blond gesträhnten halblangen Haar, grün-violette High Heels, die sie im Sitzen zur Seite knickt, so dass die spitzesten aller Stiletto-Absätze friedlich auf dem Teppich der Ritz-Bar ruhen. Die Beine sind, abgesehen von ein paar Glitterpartikeln, nackt. Wie die Beatles ist sie in Liverpool geboren und nach guter britischer Art auch ein bisschen konservativ. Sagt sie. Liebt Teestunden, Puddings und Burberry-Klamotten. Jane Fonda ist ihr Vorbild.

Aus ihrem Alter macht sie zum Kummer der Agenten kein Hehl. Sie ist 49. Na und? Ein paar Fältchen um die Augen. Ansonsten sind aus ihrer Sicht die Zeiten vorbei, da Frauen in dem Alter Probleme hatten, attraktive Partner zu finden. Wichtig sei es, sich mit der eigenen Sexualität auseinander gesetzt zu haben und zu wissen, was man will. Sie fühlt sich wohl in ihrer Haut, liebt die Arbeit die sie macht, Letzteres sei ganz wichtig.

Mit 40 dachte sie, dass es mit dem Sex-Leben nun langsam bergab geht, dann kam die Rolle der Samantha. Dass die Serie nach sieben Jahren eingestellt wurde, findet sie richtig. „Wir haben aufgehört an einem Punkt, wo die Leute noch mehr wollten, das ist doch sehr smart.“ Smart gehört zu ihren Lieblingswörtern. „Smart ist sexy“, sagt sie. Während Samantha sich immer wieder für die Größe des männlichen Geschlechtsteils interessiert, findet Kim es wichtig, was ein Mann im Kopf hat. Bei ihren Recherchen für das Buch hat sie Phallus-Symbole quer durch die Kulturgeschichte untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass die richtige Penisgröße vor allem eine Frage der Mode ist. Wenn es darum geht, was an einem Mann besonders sexy ist, dann ist in Kims Augen das Gehirn unschlagbar. Sinnlichkeit ist ihr selber wichtig, aber die könne sich auch in einem Bild verbergen oder in einer guten Flasche Wein. Die Samantha, die sie so lange gespielt hat, gefiel ihr, weil sie „ein Freigeist ist, neugierig und mutig“.

Dreimal war sie verheiratet, einmal mit einem Deutschen, da hat sie auch die Sprache gelernt. Inzwischen ist sie Single und liebt es. „Es ist wunderbar, wenn ich die Tür hinter mir zumachen kann und allein bin mit meiner Katze und meinen Büchern“, schwärmt sie. Natürlich verabredet sie sich mit Männern: „Ich bin keine Nonne.“ Dass sich Männer von ihr eingeschüchtert fühlen, hat sie allerdings auch schon häufiger erlebt. Was der Unterschied zwischen Sex mit 30 und Sex mit fast 50 ist? „Er wird immer besser“, sagt sie und lächelt schon wieder so bezaubernd unzickig. Den guten Sex hat sie sich redlich erarbeitet. Ihr erstes Buch handelte vom weiblichen Orgasmus.

Aufgewachsen in Kanada, lebt sie nach wie vor in New York City. Sie hängt an der Stadt, weil sie mit 16 dorthin gezogen ist, um zur Theaterschule zu gehen. „Da hatte ich mein erstes Bankkonto, meine erste eigenen Wohnung...“ Und die erste Liebesaffäre? „Nein, das war schon in der High School in Kanada.“

Wenn sie heute einen Mann kennen lernt, wo guckt sie da zuallererst hin? Sie überlegt keine Sekunde: „In die Augen.“

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