Berlin : Sexualtäter gefasst: Bekannte erkannten den Familienvater

41-Jähriger gestand, ein sechsjähriges Mädchen im Hausflur missbraucht zu haben. Polizei: „Kein typischer Serientäter“ – deshalb keine Untersuchungshaft

Tanja Buntrock

Es war der 75. Hinweis, der die Kripo-Beamten am Montag zum Erfolg geführt hat: Der Sexualtäter, der – wie berichtet – am 18. Juni ein sechsjähriges Mädchen im Keller eines Wohnhauses in der Schluchseestraße in Reinickendorf sexuell missbraucht hat, ist gefasst. Aufgrund der drückenden Beweislast legte der Tatverdächtige Frank B., 41 Jahre, am Montag ein Geständnis ab.

Geholfen hat den Beamten das Fahndungsfoto, das die Überwachungskamera im Flur des Hochhauses von dem Mann kurz nach seiner Tat geschossen hat. Beim Vergleich des Tatort-Materials mit Fotos des Mannes, die sich die Beamten besorgt hatten, ergab sich eine „frappierende Ähnlichkeit“, wie es gestern bei der Polizei hieß.

Daraufhin ist der Tatverdächtige aus Reinickendorf von der Polizei zu Hause abgeholt und zum Tatort in das Wohnhaus in der Schluchseestraße gebracht worden. „Hier haben wir die damalige Situation rekonstruiert. Dabei ist der Mann auch noch einmal am Tatort gefilmt worden“, sagte eine Hauptkommissarin des Fachbereichs für Sexualdelikte. Damit wollten die Beamten sicher gehen, dass es sich auch wirklich um den Gesuchten handelte.

Der Täter hatte zusammen mit dem sechsjährigen Mädchen das Wohnhaus betreten, es dann am Arm gepackt, es in den Keller gezerrt und sich dann an ihm vergangen. Als das Mädchen zu weinen angefangen hatte, ließ der Täter von der Sechsjährigen ab und flüchtete. Das Mädchen habe wenig später alles ihrer Mutter erzählt, die dann sofort die Polizei alarmiert habe, hieß es bei der Kriminalpolizei.

„Der Täter hatte Schlüssel zu dem Wohnhaus in der Schluchseestraße, weil Verwandte von ihm dort wohnen“, sagte Referatsleiter Jochen Sindberg am Dienstag dem Tagesspiegel. Allerdings seien die Verwandten nicht diejenigen, die den Tipp gegeben haben, der zur Festnahme des Täters führten. „Der Hinweis kam von Bekannten“, sagte Sindberg.

Der Referatsleiter sieht in Frank B. „keinen typischen Serientäter“. Der 41-Jährige sei verheiratet, habe drei Kinder im Alter zwischen 13 und 18 Jahren und sei „sozial unauffällig, ein eher angepasster Typ“. Nach seinem Geständnis sei Frank B. „sehr zerknirscht“ gewesen, ihm sei es selbst „unheimlich“, was er getan hat, berichtet der Referatsleiter. Frank B. habe den Kriminalbeamten erzählt, dass er nie zuvor sexuelle Phantasien mit Kindern gehabt habe und bei ihm „eine Sicherung durchgebrannt“ sei. „Wir zweifeln nicht an seinen Aussagen“, sagte Sindberg. Deswegen hat der Richter gestern den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt, weil er es für ausreichend hält, dass Frank B. sich vorschriftsgemäß regelmäßig bei der Polizei meldet.

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