Berlin : Sexualtäter wirbt vor Gericht um Mitleid

41-Jähriger gesteht Missbrauch eines sechsjährigen Mädchens und sagt, er habe keine pädophilen Neigungen

Kerstin Gehrke

Entspannt schlendert ein Mann aus dem Hausflur. Er hat einen Stoffbeutel locker über die Schulter geworfen. Der Mann, der gerade aus dem Keller des Hochhauses in der Schluchseestraße in Reinickendorf kommt, bemerkt nicht, dass eine Überwachungskamera ihn aufnimmt. Er hat gerade ein sechsjähriges Mädchen sexuell missbraucht.

Die Filmaufnahme bringt die Ermittler von der Kriminalpolizei knapp drei Wochen später auf die Spur von Frank B. und wird zum erdrückenden Beweis. Geständig und reuig sitzt der 41-jährige B. seit gestern vor dem Berliner Landgericht in Moabit. Die Ärmel des grauen Strickpullovers leicht hochgeschoben, beteuerte er: „Ich schäme mich in den Boden, ich kann mir eigentlich gar nicht vorstellen, dass ich das gemacht habe.“

Er sprach von dem Gefühl, von seiner Ehefrau nicht mehr geliebt zu werden. „Ich habe Zuneigung gesucht, die ich nicht mehr bekommen habe.“ Und dann sagt er noch: „Es ist pervers.“

Der dreifache Familienvater berichtet: „Ich wollte das Kind sehen, nackend, wollte es anfassen, hatte aber vorher keinen Plan geschmiedet.“

Am 18. Juni dieses Jahres sei er kurz vor 14 Uhr in das Haus gegangen. Seine Schwiegermutter wohnt dort. Von ihr hatte er einen Schlüssel. Er wollte sich 200 Euro borgen, die 78-jährige Frau aber war nicht da. Deshalb sei er hin und her gegangen, sagte der Angeklagte. Als er schließlich vor dem Haus saß, habe er Jessica (Name geändert) gesehen. „Ich kannte sie nicht. Ich habe die Haustür aufgeschlossen und ihr gesagt, dass ich ihr etwas zeigen möchte.“ Das Mädchen sei „relativ freiwillig“ mit in den Keller gekommen. Dort zog er dem völlig verängstigten Kind die Hose herunter und fasste es an. „Sie fing an zu heulen, da bin ich weggerannt.“

Jessica erzählte ihrer Mutter sofort von dem Vorfall. Das Bild des Täters aus der Überwachungskamera im Flur des Hochhauses wurde zum Fahndungsfoto. 19 Tage später wurde Frank B. festgenommen. Nach einem Geständnis wurde er von der Untersuchungshaft verschont.

Der Schlosser ist zuvor polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Vor Gericht schlug er sich die Hände vors Gesicht: „Ich verstehe nicht, dass ich das gemacht habe. Ich habe keine pädophilen Neigungen.“ Von vielen Tränen nach dem Übergriff sprach er, von einer Woche Nervenklinik, von vielen Gesprächen in der christlichen Gemeinde und von einer begonnenen Therapie.

Jessicas Mutter saß mit im Gerichtssaal. Die Nebenklägerin hörte seine Beteuerungen. Sie hatte bereits vor dem Prozess Post von ihm bekommen. Er hatte ihr eine Summe von 2500 Euro als eine Art „Wiedergutmachung“ angeboten, aber sie habe abgelehnt. Er sollte nicht den Eindruck bekommen, er könne sich freikaufen. Im Gerichtssaal entschuldigte sich der Täter noch einmal, aber die Mutter reagierte nicht. In einer Prozesspause sagte sie, dass sie seine „Mitleidsnummer“ kaum ertragen könne. Und sie meinte: „Meine Tochter ist auch niemals freiwillig mit einem Fremden gegangen. Er hat sie am Arm gepackt.“ Zum Urteil gegen B. wird es voraussichtlich am Freitag kommen.

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