Sexuelle Gewalt : Berliner Unterkünfte: Kein sicherer Ort für geflüchtete Frauen

Nach der Flucht haben sie gedacht, jetzt wird alles besser. Doch für viele Frauen beginnt mit dem Leben in Flüchtlingsunterkünften ein neuer Leidensweg. Unser Blendle-Tipp.

Pascale Müller, Yasmin Polat, Daria Sukharchuk
Allein, hilflos, bedrängt. In Flüchtlingsheimen verlieren Menschen ihre Privatsphäre, für Frauen ist das ein besonderes Problem.
Allein, hilflos, bedrängt. In Flüchtlingsheimen verlieren Menschen ihre Privatsphäre, für Frauen ist das ein besonderes Problem.Foto: Getty Images/iStockphoto

Wenn Sally Abazeed Angst hat, dann kann sie sich nicht wehren. Wenn Sally traurig ist, dann kann sie sich nicht bewegen, nichts sagen.

Das wissen die Männer um sie herum. Die in den Uniformen der Sicherheitsfirma und die in den Betten nebenan. Die Männer kommen dann und tun so, als ob sie ihr helfen wollten. Umarmen sie. Fassen sie an. Aber das ist keine Hilfe, das ist etwas anderes.

Als Sally besonders traurig ist, will sie raus. Raus aus der Notunterkunft mit den hunderten Menschen, raus aus dem Geruch und der Enge. Doch an der Pforte sagen ihr die Mitarbeiter, dass sie die Unterkunft nicht alleine verlassen soll. Da ein Kollege des Sicherheitsdiensts sich aber gerade einen Döner holen will, bietet er an, Sally mitzunehmen.

Sally denkt: Wow, der wird mich beschützen.

Aber auf dem Weg sagt er: „Sag dem Lageso, dass du zu mir ziehst.“

Dann: „Kann ich deine Nummer haben?“

Dann: „Ist dir kalt?“

Er zieht ihre Hand zum Mund und küsst sie. Zurück im Heim fragt er immer wieder nach ihrer Nummer, wochenlang stellt er ihr nach.

Sallys Schicksal ist kein Einzelfall, auch wenn seitens Berliner Behörden immer wieder bekräftigt wird, dass sexualisierte und häusliche Gewalt gegen geflüchtete Frauen kein großes Problem sei.

In den vergangenen sechs Monaten haben wir mit einem Dutzend Frauen wie Sally gesprochen. Die vor Angst, nachts alleine auf die Toilette gehen zu müssen, so lange einhalten, bis sie Blasenschmerzen bekommen. Deren Männer auf der Flucht gewalttätig geworden sind. Die von anderen Bewohnern ungefragt berührt, von Sicherheitskräften bedrängt werden. Denen ein Heimleiter versucht, ihr Kopftuch herunterzureißen. Die gegen ihren Willen geküsst und betatscht werden, vor allem, wenn sie alleinstehend sind.

Ein viel versprechender Anfang? Den Report können Sie in voller Länge im Online-Kiosk Blendle lesen. Der Text erscheint am 22. April 2017 im Tagesspiegel-Samstagsmagazin Mehr Berlin.

20 Kommentare

Neuester Kommentar