Sexueller Missbrauch : Bewährungsstrafe für Rentner nach gewaltsamen Sex

Ein 65-jähriger Mann ist wegen sexuellen Missbrauchs seiner 14 Jahre älteren Verlobten vom Landgericht Berlin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Berlin - Außerdem wurde dem Rentner untersagt, sich in den Nachtstunden in der Wohnung der 79-Jährigen aufzuhalten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Januar diesen Jahres die wesentlich ältere und gehbehinderte Frau in ihrer Wohnung in Reinickendorf im Schlaf sexuell missbrauchte und als sie erwachte, weiterhin gegen ihren Willen zum Sex nötigte.

Das Gericht folgte einem Gutachter, wonach der Angeklagte voll schuldfähig ist und sich seines Handelns bewusst war. Der 65-Jährige habe gewusst, dass die Verlobte wegen ihres Alters und der Krankheit keinen Sex mehr haben wolle und das gewaltsamer Sex strafbar sei, hieß es im Urteil. Damit die 79-Jährige zukünftig "ihre Ruhe hat" wurde dem Angeklagten untersagt, sich während der Nachtstunden, zwischen neun Uhr abends bis acht Uhr morgens, wie es hieß, in der Wohnung seiner Verlobten aufzuhalten.

Kammer empfiehlt Medikamente

Die Kammer könne kein "Sexberater für Senioren" sein, hieß es. Sie empfahl dem Rentner jedoch Medikamente zu nehmen, damit er "nicht immer so wild wird". Dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, begründete das Gericht mit dem "ambivalenten Verhalten" seiner Verlobten. Die 79-Jährige hatte im Prozess erklärt, den Angeklagten, mit dem sie seit 19 Jahren zusammen lebe, noch immer zu lieben und gebeten, ihn nicht ins Gefängnis zu bringen.

Trotz eines früheren Kontaktverbotes hatte sie sich heimlich mit dem Rentner getroffen und auch Briefe geschrieben. Es sei nachvollziehbar, dass sich die Geschädigte dem Angeklagten verbunden fühle, sagte der Richter. Die Mutter von acht Kindern sei auf die Hilfe ihres Verlobten angewiesen, weil sich die eigene Familie nicht um sie kümmere. (tso/ddp)

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