Sexueller Missbrauch : Canisius-Kolleg: Immer mehr Ehemalige wollen reden

Nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle bei den Jesuiten gibt es unter Betroffenen offenbar hohen Redebedarf. In Internetforen findet ein lebhafter Austausch statt, ganz besonders auf der Seite Spreeblick.de.

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 Zahlreiche frühere Schüler des Canisius-Kollegs schildern hier ihre Erfahrungen; einige bestätigen die bisher in den Medien geschilderten Vorfälle.

Eindringlich und ausführlich schildert der User Bergchristall: „... auch ich musste zu ihm zu einem Einzelgespräch erscheinen, das einzig und allein darauf hinzielte, mich nach meinen Onanierpraktiken zu befragen (...).“ Dass Pater R. die Vorwürfe bestreite, sei besonders schäbig: „Die Opfer haben die Wahrheit gesagt. Allein in meiner Klasse gab es eine zweistellige Zahl von Betroffenen.“ Bergchristall schildert weiter, wie Pater M. ihn als 13-Jährigen zum Saunagang überredete, ihm in der Dusche die Badehose auszog und ihn am ganzen Körper massierte. Ein User, der sich mauser nennt, schreibt: „Als Kind erfasst man die Bedeutung dieser Vorgänge nicht. (...) Zu wem soll man gehen mit diesem diffusen Gefühl, dass da etwas passiert ist?“. Mauser bezieht sich in seinem Kommentar auf einen Zeitungsartikel, in dem ein früherer Canisius-Schüler schildert, wie ihm der Lehrer Wolfgang St. als „Bestrafung“ den blanken Hintern versohlte – diese Schilderung decke sich bis ins Detail mit seinen Erlebnissen.

Im Forum äußern sich fast nur Männer. Elblette schreibt: „Was ich daran traurig finde, ist, dass ich mich als Frau früher immer als potenzielles Opfer von sexueller Gewalt gesehen habe und nie begriffen habe, dass auch Jungs sexuellen Belästigungen ausgesetzt waren (...).“

In dem Forum wird auch Kritik am Leiter des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, geäußert, dem einige Diskutanten vorwerfen, unter dem Deckmantel der Aufklärung in Wahrheit eigene Zwecke zu verfolgen, nämlich eine Stärkung der Homosexuellen in der Kirche. Im Kommentar Nummer 221 schreibt ein User namens Jola: „Ich werde das Gefühl nicht los, dass P. Mertes diese Bombe ganz gezielt hat hochgehen lassen und dass es ihm in Wirklichkeit um etwas ganz anderes geht als um die Interessen der Opfer. Dass er die Situation ausnutzt und auch den Imageverlust billigend in Kauf nimmt, um die Homosexuellenlobby zu stärken, weltweit Diskussionen anzustoßen, Rom oder seinen Orden unter Druck zu setzen oder ähnliches. So sehr ich ihn damals als Lehrer geschätzt habe, so weiß ich doch auch, dass ihm einiges Kalkül zuzutrauen ist.“ Von anderen Diskutanten hingegen wird Mertes für seine geradlinige Art und seine Offenheit im Umgang mit dem schwierigen Thema gelobt. Fatina Keilani

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