Berlin : Sexueller Missbrauch: Erzieher missbrauchte seine Schützlinge

Kerstin Gehrke

Lässig wirkte der Erzieher. Die eine Hand in der Hosentasche, in der anderen hielt er einen Zettel. "Entschuldigen kann ich mich nicht, es ist nicht zu entschuldigen", las Hagen B. vor. Er habe den beiden Kindern nicht weh tun wollen, er hoffe, dass sie ihm eines Tages vergeben werden. Der 27-jährige Erzieher aus Spandau hatte vor dem Landgericht gestanden, sich in 22 Fällen an zwei Kindern vergangen zu haben. Als die Übergriffe begannen, war das Mädchen etwa sechs und der Junge neun Jahre alt. Von beiden Kindern hatte er zudem pornografische Aufnahmen gemacht. Am Dienstag wurde Hagen B. wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu vier Jahren Haft verurteilt.

Es ging um Jenny und Dennis (Namen geändert). Um beide Kinder kümmerte er sich im Auftrag der Eltern. Jenny betreute er, wenn ihre Mutter wegen ihres Studiums wenig Zeit hatte. Mit Dennis, den er während seiner knapp einjährigen Tätigkeit in der "Schulstation" einer Kladower Grundschule kennen gelernt hatte, sollte er vor allem Rechnen üben. Hagen B. galt als ausgezeichneter Erzieher. Es hieß, er könne auch zu schwierigen Kindern besonders gut Kontakt finden. Jenny und Dennis waren damals nicht einfach. Sie mochten Hagen B. am Anfang sehr, sie verrieten ihn nicht.

Die Beamten waren dem Erzieher auf die Spur gekommen, nachdem das Bundeskriminalamt im Internet Bilder entdeckt hatte, die auf einen Missbrauch in einer Wohnung in Deutschland schließen ließen. Über das Fernsehen wurde die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. Das Portrait des gesuchten Mädchens sah auch Jenny. Auf dem Bild schaut sie mit großen, blauen Augen verängstigt in die Kamera. Jenny sei bei dem Anblick "völlig ausgerastet", sagte ihre Mutter im Prozess. Erst von der Polizei erfuhr die Mutter, was geschehen war. Als die Fahnder ihren Bekannten Hagen B. festnahmen, beschlagnahmten sie in seiner Wohnung etwa 1000 kinderpornografische Bilddateien. Darunter auch Bilder von Jenny.

Die Staatsanwaltschaft hatte Hagen B. zunächst auch die Verbreitung von Kinderpornografie vorgeworfen. Dieser Anklagepunkt aber wurde eingestellt. Der Erzieher hatte im Prozess bestritten, solche Bilder ins Internet gestellt zu haben. Er habe die Aufnahmen nur für sich angefertigt, hieß es in einer Erklärung, die sein Anwalt für ihn abgab.

Wer ist der Angeklagte, der von Liebe zu den Kindern spricht, vor Gericht aber so abgeklärt wirkte? Hagen B. sei selbst als Kind von seinem Vater missbraucht worden, hieß es im Urteil. Verschlossen habe er sich auf Grund seiner Entwicklung, habe sich arrogant gegeben. Wegen Problemen mit seiner Männlichkeit habe sich der pädophil veranlagte Mann mit Kindern identifiziert und schließlich seine Erzieherrolle mit der Rolle eines Partners verwechselt.

Der Verteidiger hatte an die Richter appelliert, eine "Geste" in Richtung des Geständigen und aus Sicht eines Gutachters "absolut therapiegeeigneten" Angeklagten zu zeigen, ihm eine Haftverschonung zu gewähren. Auch deshalb, weil die Mitgefangenen Hagen B. das Leben schwer machen würden, er bereits einmal von der Treppe hinunter gestoßen worden sei. Dem aber kam das Gericht nicht nach. Es gäbe weitere Ermittlungen wegen Missbrauchs eines anderen Mädchens gegen den Erzieher, hieß es, es bestehe weiterhin Fluchtgefahr.

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