Sexueller Missbrauch : Polizei gibt Fehler von Beamten zu

Das Polizeipräsidium in Brandenburg untersuchte die Ermittlungen nach einem Missbrauchsfall auf einer Kinderstation im Helios-Klinikum Buch. Jetzt werden Disziplinarmaßnahmen gegen Beamte geprüft.

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Vor Gericht. Ein Krankenpfleger muss sich wegen sexuellen Missbrauchs dreier Jungen verantworten. Er hat die Taten gestanden.
Vor Gericht. Ein Krankenpfleger muss sich wegen sexuellen Missbrauchs dreier Jungen verantworten. Er hat die Taten gestanden.Foto: dapd

Potsdam/Berlin - Wegen der langwierigen Ermittlungen im Fall des sexuellen Missbrauchs auf der Kinderintensivstation des Helios-Klinikums in Berlin-Buch prüft das Polizeipräsidium Brandenburg disziplinarrechtliche Schritte gegen Beamte in Oberhavel bei Oranienburg. Eine Überprüfung der Vorgänge habe eindeutig ergeben, dass die Beamten, bei denen die Eltern des ersten Opfers Anzeige erstatteten, nicht nach den Vorschriften gehandelt hätten. „Es gab ein individuelles Versagen einzelner Beamter“, sagte Polizeisprecher Rudi Sonntag gestern in Potsdam. Wie berichtet, steht derzeit ein Pfleger des Klinikums Buch in Berlin vor Gericht. Er hat gestanden, im Juni, August und November 2010 drei Jungen sexuell missbraucht zu haben. Die Eltern des ersten Opfers hatten am 13. September an ihrem Wohnort in Oberhavel Anzeige erstattet; es dauerte gut drei Monate, bis der Pfleger im Dezember verhaftet werden konnte. Wenn die Ermittlungen zügiger verlaufen wären und das Klinikum zeitiger von dem Verdacht unterrichtet worden wäre, hätte zumindest die dritte Tat eventuell verhindert werden können.

Laut Polizeisprecher Sonntag gilt bei einem Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines Kindes ein Beschleunigungsgebot bei den Ermittlungen. So hätte das Kind so schnell wie möglich angehört werden müssen; und nicht erst – wie geschehen – nach neun Tagen. Außerdem hätten die Beamten auch vorab die Berliner Polizei verständigen müssen, damit diese schon tätig werden kann – sowohl um die Tat aufzuklären als auch um Wiederholungstaten zu verhindern. Nicht mehr klären ließ sich nach Sonntags Angaben, warum die Ermittlungsakte von der Polizei zur Staatsanwaltschaft in Neuruppin zwei Wochen unterwegs war. Auch anschließend dauerten die Dienstwege zur Staatsanwaltschaft in Berlin und zur Berliner Polizei lang. Das Klinikum erfuhr nach eigenen Angaben erst durch die Festnahme des Pflegers von dem Grund der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaften in Neuruppin und in Brandenburg sehen bei sich keine Versäumnisse und geben an, in zeitlich angemessenen Abläufen gehandelt zu haben. Sigrid Kneist

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