Berlin : SEZ: Den Ärger der Besucher müssen die Mitarbeiter ausbaden

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"Wenn man im Schwimmbad seine Bahnen zieht, riecht es stark nach Toilette." Miriam aus Friedrichshain nervt außerdem, dass das Radio in der Halle so laut gestellt ist. "Da kriegt man ja Kopfschmerzen", fügt ihre Freundin Undine aus Prenzlauer Berg hinzu. Mit dem SEZ haben die Berliner Bäder Betriebe ein "richtiges DDR-Erbe übernommen", wie Miriam meint (auch wenn auch mit West-Beteiligung gebaut wurde). Nächstes Jahr wird die Freizeitanlage an der Landsberger Alle 20 Jahre alt. Im Besprechungszimmer der Geschäftsführung erinnert noch der Premierenschlüssel mit den Initialen an die Eröffnung. Die Stimmung im Haus nach all dem jahrelangen Hin und Her? "Die Mannschaft ist natürlich unzufrieden und verunsichert, aber hoch motiviert", sagt SEZ-Geschäftsleiter Jens Schönherr. 183 Mitarbeiter waren übernommen worden, 21 wurden seitdem - die eigene Zustimmung vorausgesetzt - in andere Bäder umgesetzt, sechs gingen in Ruhestand oder Teilzeitbeschäftigung. Jens Schönherr zufolge gibt es unter den Mitarbeitern eine "riesengroße Erwartungshaltung". Alle hoffen, dass endlich investiert und saniert wird, denn den Ärger der Besucher über Unzulänglichkeiten müssen die Beschäftigten oft genug abpuffern. Die Mängelliste? Nicht enden wollend. Die Kiesreinigungsanlage fürs Wasser hat zwei Jahrzehnte auf dem Buckel, die Elektrik ist marode, die Großküche musste geschlossen werden, Aufenthaltsräume entsprechen nicht den behördlichen Bestimmungen - um nur einiges zu nennen. Marcella Barattucci aus Sizilien stößt sich indes eher am "Chaos im Wasser" wegen der ungestümen Kinder als an den abgeschabten Kacheln. Und etwas ganz anderes macht den SEZlern zu schaffen: Das gute Wetter. Da mag man selbst in modernen Hallen nicht drinnen schwimmen.

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