Berlin : SEZ-Investor fühlt sich vom Land hintergangen

Der Kaufvertrag für das Freizeitzentrum war unterschriftsreif. Jetzt fühlt sich der Leipziger Interessent vom Liegenschaftsfonds unfair behandelt

Claudia Keller

und Stefan Jacobs

Um die Zukunft des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) ist offenbar hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf zwischen zwei Investoren entbrannt. Der Leipziger Rainer Löhnitz, der lange Zeit beim Verkauf des SEZ in Friedrichshain als Favorit gehandelt wurde, sieht sich nun benachteiligt. Der Chef der Sportstätten GmbH Leipzig erhebt massive Vorwürfe gegen den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin und dessen Chef Holger Lippmann: „Lippmann hat den bereits unterschriftsreifen Vertrag am 30. Dezember 2002 nachträglich manipuliert“. Der Liegenschaftsfonds verkauft im Auftrag des Landes das seit Weihnachten geschlossene SEZ.

Anders als der zweite Bewerber, die Hamburger Meridian-Spa-Gruppe, will Löhnitz das Gebäude erhalten und für 25 Millionen Euro sanieren. Erst nachdem die Kaufverhandlungen vor Weihnachten bereits abgeschlossen waren und Bank und Notar den unterschriftsreifen Vertrag abgesegnet hatten, habe Lippmann ein Rückkaufsrecht für das Land in den Vertrag aufgenommen. „Mit diesem manipulierten Vertrag ist Lippmann zu mir nach Leipzig gekommen“, sagte Löhnitz. Er habe die Veränderungen aber bemerkt und seine Unterschrift verweigert. Den neuen Vertrag könne er nicht annehmen, weil er sich dann bei seiner Bank unglaubwürdig machen und keinen Kredit für die Sanierung des SEZ bekommen würde.

Die sportpolitische Sprecherin der PDS im Abgeordnetenhaus, Martina Michels, bestätigte, dass der Liegenschaftsfonds nach Weihnachten einen anderen Vertrag vorgelegt habe als den zuvor ausgehandelten. Die Leipziger hätten sich daraufhin zu Nachverhandlungen bereit erklärt. Dazu kam es nach Auskunft von Löhnitz jedoch nicht, „denn Herr Lippmann geht mir seitdem aus dem Weg“. Lippmann entgegnete gestern: „Ich weiß gar nicht, dass er mit mir sprechen will.“

Sowohl Löhnitz als auch die PDS-Politikerin Michels werfen dem Liegenschaftsfonds zudem Doppelzüngigkeit vor: Schon einen Tag, nachdem sich in der vergangenen Woche die Hamburger Meridian-Spa-Gruppe, vorgestellt habe, habe Lippmann sie öffentlich als Favoriten bezeichnet. „Es ist mir unverständlich, wie Lippmann verbreiten kann, es gebe einen unterschriftsreifen Vertrag und am nächsten Tag den neuen Investor favorisiert“, sagt Martina Michels. Auch im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg habe sich Lippmann am Dienstag für die Meridian-Gruppe stark gemacht. Der Bezirk hatte beide Investoren eingeladen, „weil der Liegenschaftsfonds will, dass wir uns eine eigene Meinung bilden“, sagte Bürgermeisterin Cornelia Reinauer (PDS). Die PDS hat sich in den vergangenen Wochen massiv für den Zuschlag an Löhnitz ausgesprochen.

Lippmann bezeichnete die Vorwürfe als „nicht haltbar“, ohne im Detail darauf einzugehen. Er wolle sich mit Löhnitz „nicht über die Presse unterhalten. Wir verhandeln nach wie vor mit beiden Investoren.“ Mit den Hamburger Betreibern von Wellness-Zentren hatte der Liegenschaftsfonds bereits im November verhandelt, dann aber das Konzept des Leipziger Interessenten bevorzugt.

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