• SEZ: Opposition fürchtet „zweites Tempodrom“ Ausschreibung in der Kritik Weiterer Investor im Gespräch

Berlin : SEZ: Opposition fürchtet „zweites Tempodrom“ Ausschreibung in der Kritik Weiterer Investor im Gespräch

Claudia Keller

Der Vertrag mit dem Leipziger Investor ist unterschriftsreif, da schaltet sich plötzlich ein weiterer Interessent noch einmal ein: In die Verhandlungen um das SEZ in Friedrichshain ist Bewegung gekommen. Denn das Hamburger Unternehmen Meridian Spa wendete sich jetzt an den Berliner Liegenschaftsfonds. Heute will der Betreiber von Wellness-Centern seine Pläne vorlegen. Während der Liegenschaftsfonds und die Sportpolitiker von SPD und PDS am Dienstag die Verhandlungen mit den Leipzigern vorantrieben, kritisierte die Opposition geschlossen das Vorgehen der rot-roten Koalition.

Für die Regierung hat die Erhaltung des SEZ vor einem Neubau Vorrang. FDP-, Grüne- und CDU-Politiker hingegen fordern, dass nicht ausschlaggebend sein soll, welcher Investor das Gelände erhält, und was er mit dem Gebäude macht, sondern welches Konzept sich langfristig rechne. „Es kann nicht sein, dass wir ein zweites Tempodrom bekommen“, sagte Mieke Senftleben, die sportpolitische Sprecherin der FDP, und ist sich mit dem Grünen-Haushaltspolitiker Oliver Schruoffeneger und dem CDU-Sportexperten Axel Rabbach einig.

Meridian Spa will das SEZ abreißen. Für den Neubau ist die Meridian-Anlage in Spandau das Vorbild. Dort befinden sich auf 9000 Quadratmetern Sauna- und Schwimmbereiche sowie Fitnessräume. Die billigste Karte für die Therme kostet 15 Euro. Wer in die Fitnesshallen will, muss für mindestens 150 Euro plus Monatsgebühr Mitglied werden.

40 Millionen Euro will Meridian Spa in den Neubau in Friedrichshain investieren und 200 Arbeitsplätze schaffen. Dafür soll der Kaufpreis auf einen symbolischen Euro schrumpfen. Weder ein großes Schwimmbecken noch eine Eislaufbahn soll es geben, dafür Hallen für Badminton- und Judokurse, Sauna- und Wellnessangebote und auf dem Nachbargrundstück Ecke Landsberger Allee/Langenbeckstraße ein Ausbildungszentrum.

Bisher liegt die Sportstätten GmbH Leipzig in den Verhandlungen vorne. Die Leipziger wollen das SEZ erhalten, es für 25 Millionen Euro sanieren und mehr als einen symbolischen Kaufpreis zahlen. Der Liegenschaftsfonds und SPD- und PDS-Politiker haben am Dienstag das „Poseidon“-Bad in Markkleeberg bei Leipzig besichtigt, das die Sportstätten GmbH renoviert hat. „Wir haben einen sehr positiven Eindruck“, sagte PDS-Sportpolitikerin Martina Michels. Ihre SPD-Kollegin Karin Seidel-Kalmutzki war „überwältigt“.

Dass das Schwimmbecken im „Poseidon“ nach zwei Jahren immer noch nicht wieder eröffnet ist, daran sei die marode DDR-Bausubstanz schuld, nicht die Sportstätten GmbH. „Die haben bewiesen, dass sie aus einem alten Objekt etwas machen können“, so Michels, „außerdem bringen sie eine Bank mit, die alles finanziert.“ Mit der Meridian-Gruppe habe man bereits im November gesprochen. Die Gespräche seien gescheitert, da die Hamburger einen Abriss wollen. „Wir haben politisch entschieden, das SEZ als öffentliches Bad zu erhalten“, sagt Michels.

Es habe kein offenes Bewerbungsverfahren gegeben, kritisiert Grünen-Politiker Schruoffeneger, „von vornherein war alles auf den Leipziger zugeschnitten.“ Heute berät der Sportausschuss des Abgeordnetenhauses über das SEZ, nächste Woche der Vermögensausschuss. Der Liegenschaftsfonds geht davon aus, dass die Pläne aus Leipzig am 20. Februar durchs Parlament gehen.

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