Berlin : Shampoo inklusive

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Von Fritz H. Köser

Mit feuchten Haaren, weißem Bademantel und grauen Badelatschen schreitet Katrin Meißner durch halbfertige Gänge, an Bauarbeitern vorbei. Die 29-jährige Schwimm-Weltmeisterin besichtigt das, was einmal der „Spa & Sports Club Aspria“ in der Karlsruher Straße 20 werden soll. Der Wellness-Club in der West-City öffnet im September. Dennoch durfte Meißner schon mal vorab das Wasser im 25 Meter langen Pool testen. Hin und zurück in 28 Sekunden. Zuvor hatte sie den letzten der 272000 Liter Wasser symbolisch mit einem Glaskrug ins Bassin gegossen. „Wir konnten es bis zur offiziellen Eröffnung einfach nicht abwarten“, sagt General Manager Michael Hapka. Die Früh-Premiere hat einen Grund: die Konkurrenz. Immer mehr Wellness-Clubs für Gutbetuchte öffnen. Bereits seit Oktober 2001 gibt es „Holmes Place“ im Quartier 205 an der Friedrichstraße mit Pool, Sauna und Dampfbad. „Wir sind ein Lifestyle-Club“, sagt Fabio Fischer, Marketing Coordinator bei der britischen Fitness-Kette. Handtücher, Shampoo und Duschgel gibt’s für die eher besser verdienenden Kunden gratis. Nicht von ungefähr planen die Betreiber eine weitere Dependance in Zehlendorf.

Auch die Elixia-Kette hat ihr Flaggschiff im nicht allzu armen Wilmersdorf vertäut. Das Unternehmen expandiert. Mit dem neuesten Club in Hellersdorf sind es bereits acht, ein weiterer soll im Oktober in Kreuzberg öffnen. Und nun Aspria. Mit 10000 Quadratmetern auf sechs Geschossen ist der Club doppelt so groß wie „Holmes Place“. Eine der größten Aerobic-Hallen der Stadt gehört dazu, ein eigenes Yoga-Center, ein „Health & Beauty-Bereich“ mit Dampfsaunen, Kneippbecken und Eisbrunnen. Die Dimensionen lassen keinen Zweifel offen: Vor allem anglo-amerikanische Investoren meinen, in Deutschland Gesundheit und Wohlbefinden als Marktlücke entdeckt zu haben – hinter Elixia etwa verbirgt sich etwa die Compass Partners International Limited. Die Aspria Holdings B.V. sitzt in Amsterdam und London.

„Es kommt eine neue Welle mit hochwertigen serviceorientierten Studios auf Deutschlands Metropolen zu“, sagt Simon Pardoe, Marketing Consultant bei Aspria. Dass Berlin in der Rezession versinkt, lässt ihn kalt: „Die Leute sparen zuletzt an der Gesundheit.“ Natürlich könne man die auch gratis aufrecht erhalten, etwa zum Nulltarif im Park joggen. „Aber ersetzt dies einen Club mit einer solchen Auswahl?“ Im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, zuständig für die Aspria-Bauarbeiten, gibt man sich pessimistischer. „Das läuft in Berlin wohl auf ein Überangebot wie bei den Großkinos hinaus.“ sagte ein Behördenmitarbeiter. Insgesamt 25 Millionen Euro kostet das Berliner Vorhaben.

150 Millionen Euro will die Aspria-Gruppe in Kontinentaleuropa investieren. Deutschland sei im Gegensatz zu Großbritannien mit Wellness-Centern noch unterversorgt, erklärt Pardoe. Aspria hoffe besonders in Deutschlands Metropolen auf zahlungswillige Kundschaft, die von den „überfüllten, verschwitzten Billig-Studios mit ihren oft kaputten Geräten und überforderten Trainern“ genug haben. Bodyflow (Bewegungen zur Auflösung von Spannungen) und Aromatherapie statt verbrauchter Luft im muffigen Studio, Edel-Fitnessgeräte statt abgewetzter Eisen. Und Gelennk schonende Böden, mit Ozon angereichertes Wasser und geschultes, zuvorkommendes Personal. Das alles hat seinen Preis. „Für das, was wir bieten, sind wir günstig“, findet der 40-Jährige. Günstig? Nun ja, eine Frage der Perspektive. Zwischen 79 Euro und 89 Euro kostet die Monatsgebühr. Die einmalige Aufnahmegebühr schwankt zwischen 75 und 200 Euro. Nur Katrin Meißner darf weiterhin gratis ihre Bahnen ziehen – als Ehrenmitglied.

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