Berlin : Shanghai bizarr

Die Mediengruppe Telekommander ist gerade von ihrer China-Tour zurück Heute Abend tritt das Duo in der Kulturbrauerei auf

Sebastian Leber

Der Trip nach China ging so: Zuerst wurden die Liedtexte per Mail geschickt, dann flogen die Bandmitglieder hinterher. Schließlich brauchten die Behörden etwas Zeit, um sicherzustellen, dass die Songs der Mediengruppe Telekommander auch anständig sind. Das waren sie – jedenfalls nach ein paar Korrekturen: Aus „Kondom“ wurde „Außenkleid“, andere Wörter wurden ganz gestrichen. Und schon waren Florian Zwietnig, 34, und Gerald Mandl, 33, in der Volksrepublik willkommen.

Seit einer Woche sind die beiden Musiker von der Mediengruppe Telekommander zurück in Berlin. „Gelohnt hat sich die Reise auf jeden Fall“, sagt Zwietnig. Drei Wochen waren sie dort, auf Einladung des Goethe-Instituts. Sie gaben Konzerte in Shanghai, in Peking und in Hangzhou, einer Sieben-Millionen-Metropole im Osten. Und sie haben mit Germanistikstudenten in Shanghai ihre Texte analysiert. „Ziemlich bizarr“ sei das gewesen. „Einerseits war’s komisch, als Band plötzlich an der Uni diskutiert zu werden.“ Und andererseits seien manche Textstellen für Chinesen einfach schwer verständlich. Etwa „Gib mir ein T-Shirt mit Andreas Baader drauf“. Wie soll man das erklären? „Aber die Studenten sprechen ausgezeichnetes Deutsch, grammatikalisch ist das einwandfrei.“

Die Reise hatte das Duo schon im Dezember geplant, da gab es den aktuellen Wirbel um Tibet und Olympia noch nicht. Kontaktleute vor Ort rieten ihnen ab, auf der Bühne Stellung zu nehmen zur Tibetfrage. „Das hatten wir aber sowieso nicht vor“, sagt Florian Zwietnig. Zu den abendlichen Liveauftritten kamen jeweils mehrere hundert Menschen.

Heute Abend tritt die Band mit ihrer Mischung aus Electropunk, Rock und Hip-Hop erstmals wieder in Berlin auf, im Kesselhaus der Kulturbrauerei, beim Finale des Bandwettbewerbs „Jägermeister Rockliga“. Außer ihnen spielen Moneybrother und The Cinematics. Wahrscheinlich wird das Konzert ihr einziger Berlin-Auftritt in diesem Jahr. „Wenn man zu oft in seiner Heimatstadt spielt, denken die Leute: Das kann ich mir nächste Woche auch noch ansehen.“

Es soll nicht ihre letzte Tour in der Ferne gewesen sein. Nach Südamerika würden sie gerne, aber erst mal arbeiten sie an ihrem dritten Album. Was sie von der China-Reise in Erinnerung behalten werden? Dass vieles nicht so ist, wie man im Westen sagt. Zum Beispiel das Essen: „Hunde und Katzen haben wir keine serviert bekommen“, sagt Gerald Mandl. „In Wirklichkeit ist China ein Paradies für Vegetarier.“ Besonders interessant sei gewesen, mitzubekommen, wie die Chinesen die Kritik des Westens wegen Tibet aufnehmen. „Wir haben gemerkt: Wenn jemand etwas gegen China sagt, nehmen es die Leute auf einer privaten Ebene sehr persönlich. Das ist wohl etwas Kulturspezifisches.“ Zur Zeit ihrer Reise hatte gerade der Pariser Bürgermeister den Dalai Lama zum Ehrenbürger ernannt. „Als Franzosen hätten wir es schwer gehabt, dort ein Taxi zu bekommen.“

Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Es gibt Karten für zehn Euro an der Abendkasse.

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