Berlin : Shoppingcenter: Neue Invasion der großen Einkaufszentren

Tobias Arbinger

Unter Investoren hat ein Wettlauf um Einzelhandelsfächen im Herzen des Fusionsbezirks Tempelhof-Schöneberg begonnen. Alteingesessene Händler fürchten die heranwachsende Konkurrenz. Auf einem Gelände der Telekom zwischen Schöneberger und Ringbahnstraße, 500 Meter vom Tempelhofer Damm entfernt, treibt der Stuttgarter Projektentwickler Sepa Pläne für ein Einkaufszentrum mit rund 8500 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem Hotel voran. Es sollen dort ein Verbrauchermarkt und ein Fachmarkt für Unterhaltungselektronik eröffnen. Das Votum der Bezirksverordneten zu dem Projekt steht noch aus.

Baumarkt auf Bahngelände

Wenige hundert Meter von dem Telekom-Gelände entfernt will die Hamburger Böge Beteiligungs-Aktiengesellschaft (Böag) das alte Reichsbahn-Ausbesserungswerk an der früheren Dresdner Bahn sanieren (wir berichteten). In der 28 500 Quadratmeter großen Halle sollen ein Baumarkt sowie ein großer Möbeleinzelhändler einziehen. Der Bauantrag läuft, und der Böag-Geschäftsführer Thomas Endres hofft, das noch in diesem Sommer mit den Arbeiten begonnen werden kann.

Die Geschäftsleute vom Tempelhofer Damm betrachten die Pläne mit Sorge. Nicht zuletzt, weil es innerhalb ihres Einzugsbereichs weitere mehr oder weniger konkrete Pläne für Handelszentren gibt: zum Beispiel für die "Schöneberger Linse" am S-Bahnhof Papestraße, für das alte Gaswerk Mariendorf und für den Tempelhofer Hafen. "Da kann einem Angst und Bange werden", sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Tempelhofer Damm, Jürgen Winkelmann. Dabei habe die Stadt doch schon 500 000 Quadratmeter Einzelhandelsflächen über den Bedarf.

Als "Chance, die Gegend aufzuwerten" bezeichnete Baustadtrat Gerhard Lawrentz (CDU) unlängst die Pläne für das Telekom-Gelände. Neue Handelsriesen und eingesessene Händler müssten allerdings "das Kunststück vollbringen, sich gegenseitig keine Konkurrenz zu machen". Zum Schutz der traditionellen Einkaufsstraße haben die Investoren Auflagen zu beachten. Auf dem Böag-Areal darf es nach Angaben von Thomas Endres zwar Möbel und Heimwerkerbedarf, aber kein Selbstbedienungs-Warenhaus geben. Hinter den Restriktionen steckt die Absicht des Senats, die mehreren Dutzend Einkaufszentren der Stadt zu stärken. Mit Hilfe einer "Sortimentsliste" können die Behörden bestimmen, welche Ansiedlung außerhalb der Zentren, zu denen auch der Tempelhofer Damm zählt, "schädigend" sind. Die Investoren sind über die Auflagen nicht besonders glücklich: Sie stimmten mit der Realität des Marktes "nicht unbedingt überein", sagt Sepa-Geschäftsführer Norbert Peter.

Die Sepa hat ein Gutachten beauftragt, das die Unbedenklichkeit ihres Projekts beweisen soll. Ergebnis: Die Forschungsstelle für den Handel (FfH) stuft den geplanten Discount-Verbrauchermarkt auf dem Telekom-Gelände als "verträglich", die Ansiedlung weiterer Fachmärkte aber als "zentrenunverträglich" ein. Zugleich kommen die Gutachter jedoch zu der Auffassung, dass entlang dem Tempelhofer Damm Lücken im Angebot von Lebensmitteln, Möbeln, Unterhaltungselektronik, Spielwaren und Sportartikel klaffen. Um das auszugelichen, ist in ihren Augen der Tempelhofer Hafen der am besten geeignete Standort für neue Handelsflächen. Da der Hafen derzeit nicht zur Verfügung stehe, würde eine Ansiedlung in der Ringbahnstraße die Situation aber auch "spürbar verbessern".

Die Böag betrachtet das Ganze mit Argwohn. Auch sein Unternehmen hätte gerne einen Mietvertrag mit einem großen Lebensmittelmarkt abgeschlossen, sagt Geschäftsführer Endres. Der Bezirk habe ihm jedoch signalisiert, dass das nicht gehe. Eine Genehmigung für das Konkurrenz-Konzept würde er "nicht verstehen".

Begehrte Brachflächen

Wie begehrt die verkehrsgünstig gelegenen Brachflächen unweit der Autobahn sind, zeigen die Verhandlungen der Böag mit einem weiteren potenten Mieter über einen zweiten Bauabschnitt auf dem Reichsbahn-Ausbesserungswerk. Das schwedische Unternehmen Ikea bestätigte, dass es "Kontakte nach Schöneberg" gegeben hat. Das Thema: ein mögliches Ikea-Haus - nach Spandau und Hohenschönhausen das dritte in der Stadt. Entschieden wurde allerdings nichts.

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