Berlin : Showdown vor der Landesvertretung: Rauchfreie treffen auf Genussfreunde

Lothar Heinke

Zwei Welten stehen sich vor den Landesvertretungen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins gegenüber: Rechts die Fraktion „Rauchfreie Gastronomie ohne Ausnahme – bundesweit“, links die „Initiative für Genuß Berlin“. Dazwischen 50 Meter Abstand. Die Polizei lächelt, die Raucher blicken ernst, die Nichtraucher klassenbewusst. Es geht um Leben und Tod. Dunkle, ekelerregende Lungenflügel demonstrieren ebenso mit wie Biergläser voller Kippen. Die Rauchfreien sind in der Überzahl. Sie haben auch ein Megafon dabei. Und einen Hausarzt mit seiner Patientin. Die hat ihre tiefen Augenringe mitgebracht, es geht ihr ziemlich schlecht als Passivraucherin, und das sagt doch schon alles. Bedrückt schleicht der Arzt mit Jung-Frau ins Feindesland, wo die Genussmenschen stehen, während die Polizei darum bittet, mit dem Theater aufzuhören, weil doch gleich die Hauptdarsteller kommen. Es ist 10 Uhr, die Gesundheitsminister der Länder tagen zum bundesweiten Nichtraucherschutz. Immer, wenn einer aus dem Auto steigt, greift der Chef der Anti-Raucher zum Mikrofon. „Bravo, Frau Lompscher, weiter so!“ ruft er, und da steckt sich vor Schreck ein Fotograf eine Lulle an: „Unverschämte Provokation! Sie bringen die anderen um!“ „Nö“, sagt der, „ich bin nur ein mündiger Bürger.“ Die Raucherfreunde auf der anderen Seite sehen das ähnlich: Wir möchten Wahlfreiheit für Gäste und Wirte, Genuss ohne Reue, keine Bevormundung der Liebhaber Berliner Kneipenkultur. Nieder mit der Nichtraucherdiktatur! Und die 3301 Passivqualm-Opfer pro Jahr? „Lügentote, keiner ward je gesehn“, warnt ein Plakat.

Dann verkrümeln sich friedlich die Nikotiniker und die Rauchverbotskämpfer in die abgasgeschwängerte Berliner Luftluftluft. Lothar Heinke

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