Berlin : Sibirien frei Haus

Es wird noch kälter – bis zu zehn Grad minus

Christoph Stollowsky

Berlins Eisstadien steht der erste Besucheransturm in dieser Saison bevor, Schlittschuh-Verkäufer freuen sich auf einen schwunghaften Handel, und die Wasserschutzpolizei will erstmals in diesem Jahr ihren Eiswarndienst zu den Grunewaldseen losschicken: Das alles bewirkt „Yussuf“, ein Hochdruckgebiet, das schon am Sonnabend Eiseskälte nach Berlin brachte. Auch am heutigen Sonntag und in der kommenden Woche soll es frostig bleiben mit bis zu zehn Grad minus, was erfahrungsgemäß die Lust der Berliner aufs Eislaufen fördert – egal, ob im Stadion oder auf zugefrorenen Seen.

„Yussuf“, sagt Tanja Lamprecht vom Wetterdienst Meteofax „ist äußerst stabil. Dieses Hoch hat sich bei uns festgesetzt.“ Es stammt aus Skandinavien und schickte bereits am Sonnabend Nordwinde in die Stadt, die selbst am Alex und Ku’damm das Thermometer abrupt heruntertrieben. „Fast genau so extrem wie am Stadtrand“, stellten die Meteorologen fest – obwohl es normalerweise in der City wegen der vielen Heizungen um einige Grade wärmer ist. „Ohne Schals, Mützen und Handschuhe sollte man also nicht auf die Straße gehen“, lautet der fachliche Tipp – zumal die so genannten gefühlten Temperaturen wegen der erwarteten eisigen Böen noch erheblich tiefer sind. „Da kommt Sibirien auf uns zu“, sagt Tanja Lamprecht. „Wir werden den Eindruck haben, es sei bis zu 19 Grad minus.“ Nur Schneefall fehlt noch zum Winterglück, doch Wolken sind weit und breit nicht in Sicht. Hoch Yussuf bringt durchgehend Sonnenschein – und sternenklare Nächte.

Sollte der Frost die Stadt über den dritten Advent hinaus im Griff behalten, haben Schlittschuh-Freunde gute Aussichten. Zumindest auf kleineren Seen kann sich bald eine feste Eisdecke bilden. „Das hängt auch mit deren aktuellen Temperaturen zusammen“, sagt Jürgen Palutzki von der Wasserschutzpolizei. Vier bis fünf Grad Celsius sind sie kühl – Werte, bei denen sich die Wassermoleküle eng aneinanderdrängen. „Sie haben ihre höchste Dichte erreicht“, sagt Palutzki: „Dann erstarrt Wasser bei Frost besonders schnell.“CS

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