Berlin : Sicher ist sicher

Nach der Terrordrohung sind US-Einrichtungen alarmiert. Amerikaner verfallen aber nicht in Panik

Annette Kögel

Ein Polizeiwagen neben dem anderen, Beamte in Grün auf der Straße – vorm Berliner Ritz-Carlton der amerikanischen Hotelkette sind die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Doch auf die Frage, ob die Polizisten wegen der Warnung vor Terrorattacken gegen US-Bürger in Deutschland im Einsatz seien, winken sie lächelnd ab. Nein, sie sind nicht wegen potenzieller islamistischer Terroristen hier. Sie beschützen die Finanzminister der G-8-Staaten, die es sich in einem Restaurant im Sony-Center gut gehen lassen.

Dennoch: Auch das Ritz-Carlton hat Securitykräfte und Mitarbeiter anlässlich der neuesten Warnung der US-Botschaft angewiesen, die Sicherheitsvorschriften genau zu beherzigen. Wie berichtet, gab es am Freitag aus US-Sicherheitskreisen die Empfehlung an alle US-Bürger in der Bundesrepublik, „angemessene Schritte zur Erhöhung ihrer persönlichen Sicherheit zu unternehmen“. Aus deutschen Sicherheitskreisen war gegenüber dem Tagesspiegel verlautet, dass vor allem Amerikaner im Alltagsleben gefährdet seien und weniger die Menschen etwa in der ohnehin festungsartig gesicherten Botschaft in Mitte. Dort waren am Sonnabend fast mehr Beamte als Bürger unterwegs. Wer dem von spitzen Sicherheitszäunen umgebenen Altbau näher kam, wurde von einem Botschaftsmitarbeiter in Blau gestoppt. „Heute ist hier geschlossen.“

Doch hinter den Kulissen herrscht Hochbetrieb. Alle relevanten Berliner Einrichtungen – vom Aspen Institute über die American Academy bis hin zum Konsulat – wurden in Kenntnis gesetzt. Elsa Rassbach, aus Denver stammende Berliner Filmemacherin, hat per E-Mail durch die Demokratische Partei von der Gefahrenlage erfahren – „das erste Mal in elf Jahren in Deutschland, dass ich persönlich gewarnt wurde“. Bush-Gegnerin Rassbach engagiert sich beim „American Voices Abroad Military Project“, und sie ist überzeugt davon, dass die Drohung vor allem der Angstmache dienen soll. Mehr als die Hälfte aller US-Bürger in Deutschland haben Rassbach zufolge mit dem Militär zu tun, allein in Süddeutschland arbeiteten 65 000 Soldaten in 73 Stützpunkten, die Einsätze im Irak würden auch über den Flughafen Rammstein und Militärzentralen in Stuttgart und Wiesbaden gesteuert, „daher die Drohung“. Sie selbst lasse sich aber nicht einschränken: „Soll ich nicht mehr rausgehen oder immer die Straßenseite wechseln, wenn mir ein Mensch mit Kopftuch entgegenkommt?“

Damit gibt sie die Einstellung der wohl meisten der 12 000 in Berlin lebenden Amerikaner wieder. „Ich ändere mein Leben jetzt nicht, ich war auch gerade in einem amerikanischen Club tanzen“, sagt die Wahlberlinerin und Übersetzerin Isabel Cole. Sie wisse auch gar nicht, welche Ecken der Stadt sie nun meiden solle. „Die meisten Amerikaner sind ja in deutschen Freundeskreisen voll integriert.“ Wegen der Politik von George W. Bush sei es ihr manchmal „regelrecht peinlich“, Amerikanerin zu sein, aber als „Ami“ gebe sie sich trotzdem zu erkennen. Daniel Dagan, Korrespondent für jüdische Medien in den USA, meint, das Wichtigste sei, „nicht in Panik zu verfallen“. Wer Terror wolle, käme auch an Security-Kräften vorbei, „deshalb muss jeder Einzelne wachsam sein“, sagt der Kriegsgegner.

Das gilt auch für die 1700 Schüler der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf – 37 Prozent von ihnen haben einen amerikanischen Pass. Schulleiter Ulrich Schürmann will das Thema heute in allen Klassen besprechen lassen, üblicherweise verstärke die Polizei die Präsenz automatisch. Das American-Football-Team von Berlin Thunder hat beim heutigen Spiel im Olympiastadion wie immer seinen Sicherheitsbeauftragten dabei. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Behörden“, sagt Sprecher Cem Herder. Haupttrainer John Allen: „Wir haben den Jungs nichts verboten, aber auch wir haben die politische Lage in der Welt im Kopf.“

So auch die Mitglieder der Gemeinde der „American Church in Berlin“ an der Schöneberger Bülowstraße. Dort gab es gestern Gebetsstunden, „wie immer“, sagt Reverend Ben H. Coltvet. „Und heute werden wir in den Sonntagsgottesdiensten wieder für Frieden überall in der Welt beten: im Irak, in Israel, im Sudan, in Simbabwe.“

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