Sicherheit : Defekte Straßenlampen leuchten immer

Der Dauerbetrieb auch tagsüber soll die Helligkeit in der Nacht gewährleisten. Durch die Pauschalabrechnung entstehen keine Zusatzkosten im Betrieb.

Klaus Kurpjuweit

Berlin hat’s im Überfluss. So wirkt es zumindest nach Außen. Die hochverschuldete Stadt kann es sich immerhin leisten, unzählige Lampen an Straßen und in Parks auch tagsüber leuchten zu lassen. Nicht nur Touristen wundern sich über diese Verschwendung von teuer erzeugten Energie.

Brennen die Leuchten auch am Tag, sei meist der Ausschalter defekt, sagte die Sprecherin des privaten Unternehmens Nuon Stadtlicht, Heike Klumpe. Der Senat hat nach einer Ausschreibung die Zuständigkeit für die rund 186 000 elektrischen und 44 000 Gaslampen in der Stadt an Nuon Stadtlicht übertragen. Die sogenannteTonfrequenzrundsteuerung, die bei Dämmerung ein Signal zum Ein- oder Ausschalten an die elektrischen Lampen schickt, sei veraltet und werde nach und nach durch moderne Technik ersetzt. Wann das Umrüsten abgeschlossen sein wird, lasse sich derzeit nicht sagten.

Wenn das Ein- und Ausschalten nicht mehr funktioniere, gebe es aus Sicherheitsgründen eine Dauerbeleuchtung. So sei gewährleistet, dass die Lampen nachts, wenn sie benötigt werden, leuchten. Würde man sie auf Dauer ausstellen, um Energie zu sparen, bliebe es auch nachts dunkel. Jeden Morgen die über die ganze Stadt verteilten defekten Lampen per Hand abzuschalten, sei zu aufwändig, sagte Klumpe weiter.

Kontrolliert werden die Anlagen nach Angaben von Klumpe etwa jedes Vierteljahr auch nur nachts. Wie viele Lampen tagsüber leuchten, lasse sich deshalb nicht sagen. Sind nur einzelne Lampen defekt, werden sie nach und nach erneuert. Funktioniert dagegen die Schaltung in einem kompletten Straßenzug nicht mehr, habe der Austausch hier Vorrang.

Nuon Stadtlicht muss die Wartung der Straßenlampen von der festgelegten Summe bezahlen, die das Unternehmen vom Senat erhält. Extra-Zuschüsse könne es aber geben, wenn komplette Straßenzüge auf die neue Technik umgestellt werden müssten.

Gaslampen werden durch eine Zeitschaltuhr gesteuert, die über einen „astronomischen Brennkalender“ geregelt werden. Auch hier bleibt es nach einem Defekt dann bei der Dauerbeleuchtung. Gaslampen werden nach Klumpes Angaben wöchentlich nachts kontrolliert.

Weil Gaslampen wesentlich höhere Kosten verursachen als elektrische Leuchten, will der Senat die Gaslampen abschaffen. Nur an wenigen historisch wichtigen Orten sollen sie weiter leuchten – etwa am Schloss Charlottenburg. Derzeit verschwinden die Gaslampen an der Fischerhüttenstraße in Zehlendorf – gegen den Widerstand der stadtweit agierenden Gaslicht-Initiative. Anwohner der Fischerhüttenstraße hatten sich vergeblich gegen das Umrüsten gewehrt.

Keine Probleme mehr mit Lampen gibt es an der Avus. Dort hat der Senat bereits vor Jahren die Leuchten auf Dauer abgeschaltet – und auch an der neuen Autobahn A 113 am Teltowkanal entlang hat man Pläne, Leuchten aufzustellen, nicht umgesetzt.

Das Brennenlassen defekter Leuchten am Tag verursacht übrigens keine zusätzlichen Kosten bei den Betreibern. Die verbrauchte Energie wird pauschal abgerechnet, egal, wie lange die Lampen leuchten.

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