• Sicherheit der Nordischen Botschaften: „Oh, da habe ich jetzt gar nicht dran gedacht"

Sicherheit der Nordischen Botschaften : „Oh, da habe ich jetzt gar nicht dran gedacht"

Am Tag nach den Anschlägen in Norwegen läuft die Kommunikation zwischen Berliner Polizei und Nordischen Botschaften in Sachen Sicherheit offenbar noch nicht ganz perfekt.

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Vor den Nordischen Botschaften zeigt ein Meer von Blumen die Anteilnahme der Berliner. Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
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25.07.2011 11:57Vor den Nordischen Botschaften zeigt ein Meer von Blumen die Anteilnahme der Berliner.

Die Berliner Polizei kümmerte sich am Samstagmittag, am Tag nach den mutmaßlich von einem christlichen Fundamentalisten begangenen Anschlägen in Norwegen, zunächst in Form eines einzelnen Oberkommissars um die Sicherheit der Nordischen Botschaften. In Berlin haben alle skandinavischen Länder eine gemeinsame Vertretung in der Tiergartener Rauchstraße. Neben den Botschaften der Länder Norwegen, Schweden, Finnland, Island und Dänemark gibt es eine allgemein zugänglichen Gebäudeflügel mit Ausstellungsflächen und einer Kantine.

Der unifomierte Berliner Polizist erschien also am Besuchertresen im Parterre, um die „Lage“ zu besprechen. Die wenigen Besucher kamen nicht umhin, Zeuge des Dialoges zu werden. Die Frau hinterm Tresen: „Weisen Sie sich doch bitte aus.“ Berliner Polizist: „Ich bin der für den Objektschutz Verantwortliche.“ Die Frau hinterm Tresen: „Weisen Sie sich doch bitte endlich aus. Sie wissen doch, dass das in Oslo genau so war: Ein Polizist in Uniform.“ Berliner Polizist: „Oh, da habe ich jetzt gar nicht dran gedacht.“

Entschieden wurde dann erst einmal gar nichts, auch dies bekamen die Besucher mit: Denn auch der Sicherheitsbeauftragte der Botschaften selbst war in dem Moment nicht zu erreichen. Und der Berliner Polizist sagte dann noch: „In unserer Verbindungsstelle für diplomatische Vertretungen sind alle krank.“ Zunächst blieb dann erst einmal ein Opel Corsa des Objektschutzes der Polizei auf der anderen Straßenseite stehen – eine Maßnahme für die Optik.

Die Nord-Botschaften standen vor allem während des so genannten Karikaturenstreits im Blickpunkt der Polizei. Mehrfach hatten dort 2006 Moslems gegen den Abdruck der Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" demonstriert. Danach war Ruhe eingekehrt. Unter den gut 500 Objekten, die vom Zentralen Objektschutz (ZOS) der Polizei bewacht werden, zählen die Nordischen Botschaften nicht zu den stark gesicherten. Regelmäßig fährt eine Streife des ZOS vorbei.

Der Besucherflügel des Gebäudes konnte auch gestern unkontrolliert betreten werden. Die Eingänge zu den Konsulaten und Botschaften in dem Komplex zwischen Klingelhöferstraße, Stülerstraße und Rauchstraße sind Videoüberwacht, die optisch offenen Innenhöfe mit Panzerglasscheiben vom Besuchertrakt abgetrennt. Offiziell teilte ein Polizeisprecher mit: „Die Berliner Polizei stehe im ständigen Kontakt mit anderen Sicherheitsbehörden, um Lagebewertungen vorzunehmen." Eine Anpassung sei zur Zeit nicht erforderlich.

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