Berlin : Sicherheit: Eines ist sicher: Die Zahl der Gewalttaten steigt

Fatina Keilani

Die Kriminalität in Berlin wächst, zumindest in Teilbereichen. Besonders bei Gewaltdelikten und Computerstraftaten gebe es eine steigende Tendenz, bestätigte die Innenverwaltung am Freitag. Zahlen wollte die Sprecherin von Innensenator Ehrhart Körting (SPD), Svenja Schröder-Lomb, aber nicht nennen. Die Innenverwaltung gebe Zahlen immer nur für das ganze Jahr heraus und halte alles andere auch für unseriös.

Einen Anstieg melde die Polizei vor allem bei Körperverletzungen, Sexualdelikten und Computerbetrug. Diese Entwicklung sei aber in weiten Teilen erklärbar, sagte Schröder-Lomb dem Tagesspiegel. "Der Anstieg bei den Körperverletzungen resultiert vor allem aus dem Bereich häusliche Gewalt", sagte Schröder-Lomb. Die Polizei werde seit einiger Zeit gezielt geschult, solche Fälle konsequent aufzunehmen. Früher seien die Beamten oft wieder abgerückt, wenn die verprügelte Ehefrau gesagt habe: "Wir haben uns wieder vertragen." Durch die neue Methode würden viel mehr Fälle registriert.

Die Steigerung bei den Sexualdelikten sei auf die verzögerte DNA-Erfassung zurückzuführen. Mit dem Verfahren der DNA-Analyse werden Sexualtäter über ihren genetischen Fingerabdruck überführt. Zahlreiche Fälle stammten noch aus dem vergangenen Jahr, hätten aber erst in diesem Jahr abgeschlossen werden können, sagte Schröder-Lomb. Bei Mordtaten sehe es ähnlich aus. In die Statistik gehe ein Vorgang nämlich erst ein, wenn er an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden sei.

Die Zunahme der Computerkriminalität liege besonders an den erweiterten Möglichkeiten, etwa für Scheckkartenbetrug. Das Einkaufen im Internet und das Bezahlen mit Unterschrift ohne Geheimnummer erleichterten Betrügern die Arbeit. Eine Zunahme um 100 Prozent könne sie aber nicht bestätigen, so Schröder-Lomb. Der Radiosender F.A.Z. 93,6 hatte am Freitag einen Anstieg um über 100 Prozent innerhalb eines Jahres gemeldet und auch Zahlen genannt. Danach wurden bis August 2000 rund 3400 Computerdelikte verzeichnet, bis August 2001 dann 7600. "Eine solche Monatsberechnung ist derzeit nicht seriös möglich", sagte Schröder-Lomb. Aufgrund eines Computerfehlers im vergangenen Jahr seien zwar die Zahlen für das Jahr 2000, nicht aber für einzelne Monate verfügbar. Auch andere von dem Radiosender gemeldete Zahlen konnte sie nicht bestätigen.

Im April hatte der damalige Innensenator Eckart Werthebach (CDU) die Kriminalstatistik 2000 vorgestellt. Damals war die Bilanz positiv. Die Zahl der erfassten Straftaten war zum vierten Mal in Folge gesunken, die Aufklärungsquote erreichte mit 49,7 Prozent den höchsten Stand seit 32 Jahren. Die Gewerkschaft der Polizei nahm die Meldungen vom Freitag zum Anlass, erneut auf Personalnot und schlechte Arbeitsbedingungen hinzuweisen.

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