Berlin : Sicherheit: Herumlungern verboten

Tanja Buntrock

Der Ostbahnhof lebt. Tagsüber, wenn die An- und Abreisenden bepackt mit Taschen oder Koffern über die Bahnsteige hetzen oder durch die Ladenpassagen schlendern, wird die Geschäftigkeit an diesem Ort spürbar. Doch nicht nur Reisende und die übliche Laufkundschaft nutzen den Bahnhof. Auch Personen, die von der Deutschen Bahn als "Problem-Gruppen" bezeichnet werden, treiben sich hier herum. Um gegen Dealer, Junkies, aggressive Bettler oder gewalttätige Personen vorzugehen, hat Bahnchef Hartmut Mehdorn das Projekt "Sicherer Bahnhof" ins Leben gerufen. Mehr Ordnung und Sicherheit auf den deutschen Bahnhöfen soll dieses Konzept, das zunächst in Frankfurt am Main und Hamburg angelaufen ist, gewährleisten.

Im April startete die Deutsche Bahn das Projekt zum ersten Mal am Berliner Ostbahnhof. Es folgte im Mai der Alexanderplatz, im Oktober soll auch am Bahnhof Zoo damit begonnen werden. Nicht nur saubere, sondern auch sichere Bahnhöfe seien für den Reisenden entscheidend, die Bahn zu benutzen, erklärt Gunnar Meyer, Sprecher der Deutschen Bahn für Berlin und Brandenburg.

Auf dem Ostbahnhof patrouillieren seither zusätzlich zu den Service-Mitarbeitern Dreier-Streifen in Uniformen mit roten Baretts und blauen Hosen über das Gelände. "In Problem-Situationen kann einer die Gespräche führen, ein Zweiter sichert ab, der Dritte nimmt per Funk Kontakt zum BGS auf", sagt Toralph Chamrol, Bereichsleiter der Bahn Schutz und Service GmbH (BSG). Zum neuen Sicherheits-Konzept gehört, dass jeder mit einem Mehrzweck-Rettungsstock, "Tonfa" genannt, ausgestattet ist. Um diesen Hartgummi-Stock tragen zu dürfen, wurden die Mitarbeiter extra geschult. "Sicherer Bahnhof" bedeutet auch, dass die Deutsche Bahn zusätzliche Kameras und Notrufsäulen installiert hat.

Das Hauptproblem am Ostbahnhof seien "herumlungernde Punks" vor den Supermärkten in der unteren Etage oder andere alkoholisierte Gruppen, die den Kunden den Weg versperrten. "Da sah der Bahnhof ständig schmuddelig aus, und die Reisenden fühlten sich unwohl", sagt Chamrol. Wenn nun ständig die Dreier-Streifen über das Gelände gehen und die Gruppen nach draußen verweisen, "fühlen sich Punks, Obdachlose oder Bettler hier unwohler und kommen nicht mehr in Massen." Bislang musste allerdings noch keine der BSG-Streifen den Gummiknüppel zücken. "Die Mitarbeiter bekommen die Situation auch ohne Schlagstock gut in den Griff", sagt Chamrol. Als größere Herausforderung sieht der Bereichsleiter den Bahnhof Zoo an. "Hier sammelt sich einfach alles: Stricher, Fixer, Dealer, Bettler und Taschendiebe." Denen will die Bahn - sobald das Projekt auch am Bahnhof Zoo startet - mit dem Sicherheitskonzept entgegenwirken. Besonders nachts, wenn das Leben nicht pulsiert und die Läden geschlossen sind.

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