Sicherheit im Nahverkehr : BVG: Krank nach Kontrolle

Die BVG will den Auftrag für Sicherheitsdienste neu ausschreiben, weil die Firma Securitas hohe Nachforderungen stellt. Der Hintergrund: Die Mitarbeiter sind wegen tätlicher Angriffe oft krank.

Klaus Kurpjuweit

Die BVG wird nach Angaben von Unternehmens-Chef Andreas Sturmowski den Auftrag für Kontroll- und Sicherheitsdienste wahrscheinlich neu ausschreiben, weil die bisher damit vertraute Firma Securitas zu hohe Nachforderungen gestellt habe. Hintergrund seien vor allem hohe Krankmeldungen der Mitarbeiter, die wahrscheinlich vor allem auf tätliche Angriffe zurückzuführen seien. Securitas-Sprecher Michael Schur verwies auf geänderte Rahmenbedingungen. Unter anderem habe es nach der Ausschreibung einen neuen Tarifvertrag gegeben. Weitere Einzelheiten wolle das Unternehmen später mitteilen.

Securitas setzt im Auftrag der BVG 100 Kontrolleure und weitere 120 Mitarbeiter im Sicherheitsbereich ein. Von den in diesem Jahr bis September gezählten 102 schweren Übergriffen gegen Mitarbeiter, die zu Krankschreibzeiten von mehr als drei Tagen führten, entfielen 33 auf Kontrolleure von Securitas, 11 weitere auf deren Sicherheitskräfte. 40 Mal erwischte es in diesem Zeitraum Busfahrer. Bei den 160 als leicht eingestuften Attacken waren Securitas-Kontrolleure 83 Mal die Angegriffenen. Im gleichen Zeitraum wurden 62 Busfahrer angegriffen.

Securitas hatte den BVG-Auftrag erst zum 1. August 2008 erhalten und jetzt nach Sturmowskis Angaben hohe Nachforderungen gestellt – unter anderem, weil der Krankenstand der Mitarbeiter wesentlich höher sei als kalkuliert. Die Nachforderung sei aber „nicht erfüllbar“. Sollte der Auftrag neu ausgeschrieben werden, rechne die BVG trotzdem mit Mehrkosten in Höhe von rund 500 000 Euro pro Jahr, sagte der BVG-Chef gestern im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Dass es bis 2003 „bewaffnete Fahrscheinkontrollen“ durch den gemeinsamen Einsatz von Polizisten und Mitarbeiter der BVG gegeben habe, wie es Polizeipräsident Dieter Glietsch gestern im Ausschuss wiederholte, wies BVG-Sprecherin Petra Reetz zurück. Die Streifen hätten Sicherheitsaufgaben erfüllt, aber keine Fahrscheinkontrollen vorgenommen. Die Streifen hatte Glietsch nach einem Stellenabbau gestrichen.

Solche Streifen im Sicherheitsbereich wieder einzuführen, steht auf der Wunschliste des BVG-Chefs ganz oben. Sturmowski verwies gestern auf Erfahrungen in München, wo dieses Verfahren erfolgreich praktiziert werde, nachdem es an den von der U-Bahn in eigener Regie eingesetzten „Schwarzen Sheriffs“ Kritik gegeben habe. 0,8 Prozent der jüngsten Preiserhöhung von mehr als drei Prozent seien für diesen Bereich bestimmt. Auch der Senat in Hamburg zahle für den – wie in München – bewaffneten Wachdienst extra Geld. Berlin lehnt dies ab.

Glietsch verwies erneut auf das gemeinsame Sicherheitskonzept von Polizei und Verkehrsunternehmen. Der bisherige Rückgang bei den Straftaten im Nahverkehr um 12,2 Prozent zeige, dass das Konzept erfolgreich sei. S-Bahnchef Tobias Heinemann sieht kein Problem bei der Sicherheit von Mitarbeitern und Fahrgästen; die Zahl der Straftaten sei auch bei der S-Bahn rückläufig, weil ihr Sicherheitskonzept, zu dem auch gemeinsame Streifen mit der Bundespolizei gehörten, greife. Klaus Kurpjuweit

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