Berlin : Sicherheit im Netz: Absolut sicher ist das Internet nicht

Kurt Sagatz

Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (IT) in Bonn will man sich nicht dazu äußern, ob nach den Attentaten auf die USA eine zusätzliche Bedrohung für die IT-Systeme entstanden ist und ob von daher weitere Aufwendungen für Sicherheitstechnik notwendig sind. An solchen Spekulationen möchte man sich nicht beteiligen, heißt es aus der Bundesbehörde. Demgegenüber hatten andere Sicherheitsexperten in den vergangenen Tagen darauf hingewiesen, dass Terroristen nicht nur an ausgebildeten Piloten interessiert sind, sondern auch an guten Informatikern.

Was Anfang 2000 passierte, war zwar nicht die direkte Vorstufe des diskutierten Cyberwars, gleichwohl zeigte sich, wie anfällig elektronische Systeme und somit auch die Abwicklung von Geschäften über die weltweiten Netze sind. Seinerzeit wurden wichtige E-Commerce-Anbieter durch massive Attacken über mehrere Tage außer Betrieb gesetzt. Die Internet-Server wurden mit einer derart hohen Zahl von automatisch erstellen Anfragen konfrontiert, dass ihre Leistung immer weiter sank, bis am Ende die Systeme komplett ausfielen. Den Betreibern von E-Commerce-Seiten sind durch die mehrtätigen Attacken nicht nur Umsatzausfälle in Millionenhöhe entstanden. Auch das Image als verlässliche Rund-um-die-Uhr-Dienste wurde zerstört. Zumal wenig später der "I-love-you-Virus" und andere vergleichbar aggressive Software-Schädlinge erneut gezeigt haben, welche Risiken im Internet stecken.

An sich gilt das Internet durch seine Struktur als sichereres Medium. Konzipiert für die amerikanischen Militärs wurde das Netz so strukturiert, dass selbst nach dem Ausfall einzelner Verbindungsknoten durch größere militärische Angriffe das Gesamtnetz weiter funktioniert. Vergessen wurde dabei jedoch lange Zeit die Bedrohung von innen, also durch kriminelle Hacker oder Terroristen.

Inzwischen haben die EDV-Verantwortlichen in den Unternehmen hinzugelernt. Firewall-Rechner, die das Internet physikalisch von den firmeninternen Netzen abkoppeln, und Virendetektoren sorgen dafür, dass zumindest die bekannten Risiken aus dem Weg geräumt wurden. Systeme, bei denen kritische Daten gleichzeitig auf mehreren Rechnern vorrätig gehalten werden, können die Gefahr weiter verringern. Vor allem bei Banken und Versicherungen ist es Standard, die Daten zusätzlich extern bei spezialisierten Firmen zu sichern. Aber die Experten sind sich auch darüber einig, dass die Gefahr nicht völlig gebannt ist, dass die Sicherheitstechniker den Wettlauf mit den Hackern nur für kurze Zeit gewinnen können.

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