Sicherheit im Schwimmbad : Berlin übt Deeskalation im Freibad

Die Freibadsaison hat begonnen. Doch gerade wenn es wärmer wird, gibt es auch oft Stress am Becken. Die Bäderbetriebe sind von ihrem Sicherheitskonzept überzeugt – und die Polizei patrouilliert im Bad.

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Abgekühlt. Ein Jugendlicher nach seinem Satz vom Sprungturm im Neuköllner Columbiabad.
Abgekühlt. Ein Jugendlicher nach seinem Satz vom Sprungturm im Neuköllner Columbiabad.Foto: imago

Die Hochrisikozone liegt nur ein paar Meter vom Kiosk entfernt. Da steht er, mächtig und grau: Der Sprungturm im Freibad Columbiadamm in Neukölln macht etwas her. Drei Tage in Folge herrschte hier rund um Pfingsten 2014 Aufruhr. Mehrere Dutzend Jugendliche hatten den Turm besetzt, sprangen unkontrolliert ins Wasser, gefährdeten andere Badegäste und sich selbst. Schließlich standen 100 aggressive Typen in Badehosen diversen Polizisten gegenüber. Drei Tage in Folge wurde das Bad geräumt.

Die Freiluftsaison beginnt, wieder droht Randale, wo auch immer. Wie reagieren die Berliner Bäderbetriebe (BBB) auf die Szenarien? Ziemlich gelassen. „Die BBB werden auch 2015 nach Bedarf in allen Freibädern Sicherheitspersonal zur Unterstützung der Stammbelegschaft einsetzen“, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Bäderbetriebe. „Die Einsatzplanung ist abhängig vom Wetter und dem zu erwartenden Besuch.“ Im Fall Columbiadamm heißt das: Im Normalfall sind 18 bis 24 externe Sicherheitsleute und ebenso viele Schwimmmeister und Kassierer im Bad.

Deeskalations-Schulungen für Mitarbeiter

Und dann stehen natürlich auch die Konfliktlotsen bereit. Die gehören zum Projekt „Bleib cool am Pool“, ihr Einsatzschwerpunkt sind die Bäder in Neukölln und Pankow. „Das gemeinsame Projekt der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit (GSJ), der Berliner Polizei und der BBB ist aktive Präventionsarbeit und wird eventuell ausgeweitet“, sagt Oloew. „Unsere Schwimmmeister werden grundsätzlich und regelmäßig in Deeskalation geschult. Ihre wichtigste und zentrale Aufgabe ist die Wasseraufsicht.“

Kollisionen im Becken sind dabei das eine Problem, das andere sind adrenalindurchflutete Jugendliche, die neben dem Pool für Angst und Schrecken sorgen. Zum Beispiel im Bad am Ankogelweg in Mariendorf. Vor fast genau einem Jahr, am 25. Mai 2014, verprügelten dort zwölf Jugendliche einen 14-Jährigen mit Fausthieben und Fußtritten. Zwei Angreifer brüllten: „Wir stechen dich ab“, erste Polizisten am Ort mussten Verstärkung anfordern. Bis Mitte Juni 2014 hatte die Polizei allein im Bad am Ankogelweg 32 Strafanzeigen aufgenommen, viele davon wegen Eigentumsdelikten – eigentlich ein Anlass, die Zahl der Sicherheitsleute zu erhöhen. Doch Oloew präsentiert andere Zahlen: Auf alle Bäder gerechnet habe es bei rund 5,8 Millionen Besuchen (davon fast zwei Millionen in den Freibädern) 76 Hausverbote gegeben, also 24,8 Prozent weniger als 2013. „Von den Hausverboten gingen 49 auf Verstöße gegen die Hausordnung zurück, zum Beispiel unerlaubtes Springen vom Turm oder Beckenrand, und 20 auf Schwarzbaden.“

Taten quer durchs Strafgesetzbuch

Das insgesamt auffälligste Bad war die Schwimm- und Sprunghalle in Prenzlauer Berg, dort habe die BBB im vergangenen Jahr besonders viele Graffiti-Sprayer erwischt. Und so kommt Oloew zu einem Urteil, das viele Badegäste erstaunen dürfte: „Ansonsten war die Saison 2014 insgesamt sehr ruhig.“ Außerdem: „In der vergangenen Saison hat es keine einzige Strafanzeige gegeben, die von der Staatsanwaltschaft verfolgt worden ist.“ Die Verfahren wurden eingestellt; warum, ist unklar. Stoff für die Staatsanwaltschaft jedenfalls gab es genug. Die Polizei hatte Taten quer durchs Strafgesetzbuch protokolliert. Die Sehitlik-Moschee in Neukölln wird jedenfalls keine Streitschlichter schicken.

Das Columbiabad liegt zwar nur 300 Meter entfernt, aber „der Einsatz eines Moschee-Mitarbeiters ist nicht geplant“, sagt Oloew. „War er im Übrigen auch nie wirklich.“ Aber er wurde diskutiert. Ender Cetin, der Vorsitzende des Vereins „Moschee zu Neukölln“, also Vertreter der Sehitlik-Moschee, hatte einen Moderator angeboten, einen Mann, der auf muslimische Jugendliche beruhigend einwirken könnte. Die Bäderbetriebe wollten die Hilfe nicht, das Angebot aber, sagt Cetin, stehe immer noch. „Wenn das Bad Hilfe benötigt, kann es uns jederzeit anrufen.“ Das Bad hat allerdings andere Helfer in bester Tarnung: Polizisten in Badehose warten erneut auf ihren Einsatz.

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