Sicherheit in der U-Bahn : BVG setzt mehr Personal ein

Bei der Kameraüberwachung in U-Bahnhöfen können die Berliner mit anderen Städten nicht mithalten. In London wird zum Beispiel fast die gesamte Stadt beobachtet. Doch ist das wirklich besser?

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Nur mit Ticket in die „Tube“. In London ließ sich BVG-Chefin Sigrid Nikutta zeigen, wie die britische Hauptstadt für Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr sorgt.
Nur mit Ticket in die „Tube“. In London ließ sich BVG-Chefin Sigrid Nikutta zeigen, wie die britische Hauptstadt für Sicherheit im...Foto: promoFoto: promo

Von London muss Berlin nicht viel lernen. Darüber sind sich der Aufsichtsratsvorsitzende der BVG und Finanzsenator Ulrich Nußbaum sowie BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta nach ihrem Besuch an der Themse einig. „Auch dort wird nur mit Wasser gekocht“, sagte Nußbaum am Freitag. Im Prinzip sei man sich bei den Sicherheitsmaßnahmen einig. Zum 1. Juli hat die BVG einen weiteren Schritt gemacht und das Sicherheitspersonal verstärkt. Statt 120 Mitarbeitern von privaten Diensten sind in Zukunft 170 im Netz der U-Bahn unterwegs; nachts sollen es weitere 40 sein. Sie kontrollieren nun auch in Dienstkleidung Fahrscheine.

Auf vier Elemente stützt sich in beiden Städten das Sicherheitskonzept: Notrufsäulen, Videoüberwachung, mehr Polizisten auf den Bahnhöfen sowie Mitarbeiter, die anhand ihrer Dienstkleidung leicht zu erkennen sind. Bei der Kontrolle per Kamera können die Berliner allerdings nicht mithalten. In London wird fast die gesamte Stadt beobachtet; in der U-Bahn gibt es in jeder Station eine Kontrollzentrale, in der bis zu 25 Mitarbeiter die Monitore beobachten. Sie können die Bahnhöfe fast lückenlos überwachen.

Bei der BVG gibt es zwar auf jedem Bahnsteig zwei Kameras, diese sind aber in der Regel auf die Notrufsäulen fixiert. Überwacht werden die Bahnhöfe zentral. Nach den jüngsten Gewalttaten hat die BVG die Zahl der Mitarbeiter um 20 erhöht; außerdem sitzt ständig ein Polizist dabei. Jetzt will die BVG zudem auf 20 der 173 Bahnhöfe zusätzliche Kameras installieren, allen voran am Kottbusser Tor. Bald werden so größere Bereiche der Stationen überwacht.

Allerdings muss die BVG ihre Aufnahmen nach 24 Stunden löschen; der Plan, die Frist auf 48 Stunden zu erweitern, wird von den Linken abgelehnt. In London dürfen die Aufnahmen dagegen zwei Wochen lang aufbewahrt werden, Außenbilder sogar vier Wochen lang. Notrufsäulen wie in Berlin findet man dort nur bei einem Drittel der 269 Bahnhöfe – und dann auch jeweils nur eine.

In London gibt es Sperren, um den Zugang zu überfüllten Bahnsteigen vorübergehend schließen zu können. In Berlin würde dies die Sicherheit nicht verbessert, sagten Nußbaum und  Nikutta übereinstimmend. Einen enormen Andrang, wie er in London alltäglich sei, gebe es in Berlin nur bei Großveranstaltungen. Auch das Londoner System sei nicht auf allen Stationen eingebaut und deshalb nur halb geschlossen.

Wirksam könnten Sperren allerdings gegen Schwarzfahrer sein, sagte BVG-Finanzvorstand Henrik Falk. In London sei die zuvor sehr hohe Quote auf zwei bis drei Prozent gesenkt worden. Berlin liege derzeit bei 3,5 Prozent, was die Londoner Kollegen erstaunt habe – denn die hätten rund 230 Millionen Euro in ihr System investiert. Den hohen Aufwand auch beim Personal müssen die Fahrgäste mitfinanzieren. Eine Tageskarte kostet umgerechnet mehr als 15 Euro, in Berlin maximal 6,80 Euro.

Obwohl sich viele Fahrgäste unsicher fühlen, wenn sie mit Betrunkenen unterwegs sein müssen, lehnen Nußbaum und Nikutta ein generelles Alkoholverbot auf Bahnhöfen und in Zügen ab, wie es jetzt Innensenator Ehrhart Körting (SPD) vorgeschlagen hat. Das Hausrecht lasse es bereits zu, Personen bei Belästigungen aus dem BVG-Bereich zu verweisen. Durch die verstärkte Präsenz von Polizisten und BVG-Mitarbeitern würden die Kontrollen intensiviert. Niemand hindere den Innensenator daran, noch mehr Polizisten zur BVG zu schicken, sagte Nußbaum.

Der CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel bezeichnete Körtings Vorstoß als eine „abenteuerliche Kehrtwende“ – der Innenensenator bringe sich dadurch in Gegensatz zum Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der kein Alkoholverbot wolle. Unabhängig davon halte er ein Alkoholverbot für richtig, erklärte Henkel.

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