Berlin : Sicherheit in Kindergärten: Vielen Kitas fehlt ein Rettungsweg

Tobias Arbinger

In Wedding soll erstmals ein Hort wegen eines fehlenden zweiten Fluchtwegs geschlossen werden. Das Thema wird in den kommenden Monaten aber auch etliche der rund 2100 Kindertagesstätten der Stadt beschäftigen, vor allem in den westlichen Bezirken. Nach Angaben der Jugendverwaltung entsprechen mehrere Dutzend städtische, kirchliche und andere freie Kitas nicht den aktuellen Bauauflagen, die einen zweiten Rettungsweg verlangen. Darunter sind laut Bauverwaltung viele alte Gebäude, die Bestandsschutz genießen.

Weil es hier um Kinder geht, pocht die Jugendverwaltung dennoch auf zwei Fluchtwege. Sie räumt den Kitas in den Ost-Bezirken eine Frist bis Ende dieses Jahres ein, die Mängel zu beseitigen. Die West-Bezirke haben bis Ende 2003 Zeit. Carsten Weidner, Referatsleiter Tageseinrichtungen für Kinder, warnte vor Panik: Der Sicherheitsstandard sei insgesamt "sehr hoch". Im Osten seien die Auflagen "größtenteils umgesetzt". Weddings Jugendstadtrat Rainer Sauter (Grüne) hat sich dafür ausgesprochen, einen Hort in der Demminer Straße zu schließen, weil der Bezirk sich die Umbauarbeiten für den zweiten Fluchtweg nicht leisten könne. Das Vorhaben stößt auf den Widerstand vieler Mütter und Väter. Elternvertreter Norbert Ehrhardt bezweifelt die von Sauter genannten Umbaukosten von 400 000 Mark. "Das ist viel zu viel." Die Eltern wollen nun selbst Geld sammeln. Gestern besichtigten Sauter, Bezirksbürgermeister Hans Nisblé (SPD), Eltern und Jugendverwaltung den Hort. Das Problem soll noch einmal im Bezirksamt besprochen werden.

Die Jugendverwaltung hatte vor über einem Jahr in einem Schreiben den Neubau eines zweiten Rettungswegs verlangt. "Wenn wir bis Dezember 2003 keine Lösung finden, entzieht uns die Kita-Aufsicht die Betriebsgenehmigung", sagte Sauter. Bei der Kita in der Demminer Straße handle es sich um eine kleine Einrichtung mit 32 Plätzen in einer früheren Wohnung eines Hausmeistergebäudes. Sauter hat vorgeschlagen, die Kinder zum Ende des Jahres auf umliegende Kitas zu verteilen. Es gebe in Wedding ausreichend Hortplätze. "Der Haushalt sieht dramatisch aus. Hier zusätzliches Geld auszugeben, ist nicht zu verantworten". Elternvertreter Ehrhardt befürcht, dass die Kinder "aus ihrem gewohnten Kreislauf herausgerissen" werden. Er wundert sich, dass das Thema erst jetzt aufkomme.

Carsten Weidner zufolge war der Mangel bei einer Bestandsaufnahme nach der Wende zu Tage getreten. Das Gewicht der Mängel sei unterschiedlich: Nicht immer müssten neue Treppen gebaut werden, zum Teil reichten Wanddurchbrüche zu bestehenden Treppenhäusern aus. Weidner betonte, dass die Vorschriften unterschiedlich ausgelegt werden können. Für Räume, in denen sich "wenige" Menschen aufhalten, lässt das Baurecht zum Beispiel eine für die Feuerwehr erreichbare Plattform als "zweiten Rettungsweg" zu. Neben den Bauvorgaben gibt es "Vorschriften über Brandsicherheit", die unter anderem die Zahl der Löschgeräte und den Umgang mit Kerzen in Kitas regeln. Die Bezirke müssen sie alle zwei Jahre kontrollieren.

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