Sicherheit in Zügen : Gewalt gegen Bahnpersonal in Berlin besonders häufig

Während in anderen Bundesländern die Zahl der Gewalttaten im öffentlichen Verkehr zurückgeht, bleibt sie in Berlin gleich hoch. Besonders oft trifft es Fahrkartenkontrolleure.

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Auf Streife. In Berlin gibt es besonders viel Gewalt gegen Bahnpersonal.
Auf Streife. In Berlin gibt es besonders viel Gewalt gegen Bahnpersonal.Foto: Thilo Rückeis

Entgegen dem Bundestrend nimmt bei der Deutschen Bahn in Berlin die Zahl der Gewalttaten nicht ab. Die Hauptstadt übernimmt in diesem Jahr sogar den Spitzenplatz, da im größten Bundesland Bayern die Zahl der Gewalttaten deutlich zurückgegangen ist. Zwar ist für Berlin die Zahl der in Zügen und auf Bahnhöfen erfassten Körperverletzungen konstant. Bundesweit aber wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 17 Prozent weniger Körperverletzungen auf Bahngelände registriert als im Vorjahreszeitraum, teilte der Konzern am Dienstag mit.

In der zweitgrößten deutschen Stadt Hamburg halbierte sich die Zahl sogar. Nach Angaben von Bahn-Sicherheitschef Gerd Neubeck habe die Hansestadt große Anstrengungen unternommen und unter anderem das Personal deutlich erhöht.

Bei Angriffen auf das Personal gab es in Berlin sogar eine drastische Steigerung. Die Zahl stieg von 60 auf 110 – also fast das Doppelte. Für Neubeck ist es ein „kriminologisches Phänomen“, dass Schaffner und Fahrer in Berlin ebenso häufig wie grundlos angegriffen werden. Er verwies auf die ähnliche Situation bei Attacken auf Busfahrer der BVG: „So etwas gibt es sonst in Deutschland nicht.“ In Brandenburg ist nach Bahnangaben die Zahl der Übergriffe auf das Personal um mehr als 80 Prozent gestiegen, und zwar von 13 auf 24. In keinem anderen Bundesland gab es derartige Steigerungen, in mehreren Ländern sanken die Zahlen sogar teilweise deutlich.

Neubeck – der bis vor zwei Jahren Polizeivizepräsident in Berlin war – berichtete, dass 45 Prozent der Angriffe gegen das Sicherheitspersonal gerichtet seien und 40 Prozent gegen Schaffner im Nahverkehr. Fast alle diese Taten geschahen bei Fahrkartenkontrollen. Den Rest der Gewalt bekommen Schaffner im Fernverkehr und Lokführer ab. Das Personal werde derzeit mit schnitthemmenden Hemden ausgestattet.

In diesem Jahr hatte die Bahn ihr Wachpersonal bundesweit um 500 auf 3700 Mitarbeiter aufgestockt. Noch wichtiger sei, dass diese Mitarbeiter viel gezielter eingesetzt würden als früher. „Wir kontrollieren genau, was die Streifen im Dienst machen“, sagte Neubeck. Da die meisten Straftaten nachts und am Wochenende geschehen, werde das Personal auch zu dieser Zeit eingesetzt. Streifen „am falschen Ort oder zur falschen Zeit am richtigen Ort“ müsse man vermeiden.

In der Schweiz sei das Sicherheitspersonal bereits mit Schusswaffen ausgestattet worden, berichtete Neubeck, dies sei in Deutschland aber nicht geplant. Hiesiges Personal sei nur mit Pfefferspray und Schlagstock bewaffnet.

Nach den Brandanschlägen im März und im Oktober durch Linksextremisten befürchtet die Bahn in den kommenden Wochen weitere Anschläge durch Atomkraftgegner. Anlass sei der bevorstehende Castor-Transport, sagte Bahn-Vorstand Gerd Becht. Dieser wird am 24. November in Frankreich Richtung Gorleben starten. Nach Angaben von BKA-Präsident Jörg Ziercke habe es bereits Ankündigungen auf einschlägigen Internetseiten gegeben.

Hinter den Brandanschlägen im Oktober vermutet das BKA „eine sehr überschaubare Gruppe“. Wie berichtet, waren an neun Orten in Berlin und dem Umland 18 baugleiche Brandsätze gefunden worden. Nur zwei hatten gezündet, dabei aber lediglich geringen Schaden angerichtet. Die Auswirkungen auf den Verkehr waren allerdings enorm gewesen. Die Bundesanwaltschaft hatte die Ermittlungen übernommen. Zum Ermittlungsstand sagte Ziercke nichts.

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