Berlin : Sicherheit: Polizei am Ende ihrer Kräfte - und jetzt kommt noch Putin

A. Burchard,W. Schmidt

Über 500 Gebäude und Einrichtungen werden von der Polizei bereits geschützt - ab Dienstag wird die Sicherheitslage noch problematischer. Mit dem Russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Ägyptischen Amtskollegen Hosni Mubarak kommen zwei Staatsbesucher, für die die höchste Sicherheitsstufe gilt. Doch Innenminister Schily lehnt weiterhin ab, Berlin durch den Einsatz von Bundeswehrsoldaten zu entlasten. Darüber will der Regierende Bürgermeister Wowereit (SPD) heute mit seinem Parteifreund sprechen.

Zum Thema Ted: Braucht Berlin mehr Polizisten? Die Besuche von Putin und Mubarak, aber auch die für diese Woche geplante Visite des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi beanspruchen die Sicherheitsbehörden besonders stark. Durch die hochgeschraubten Sicherheitsmaßnahmen nach den Anschlägen in den USA und erwarteten Reaktionen nach einem möglichen Gegenschlag steht die Berliner Polizei am Rand dessen, was sie trotz aller Anstrengungen noch zu leisten vermag: "Wir vertrauen auf weitere Verstärkung durch andere Bundesländer", sagte gestern ein hoher Polizeiführer dem Tagesspiegel.

Man hoffe auf Verstärkung aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt: "Aber keines der Länder ist bereit, langfristige Zusagen zu machen." So bleibt es bei kurzzeitiger Unterstützung - dann muss Berlin erneut um Hilfe betteln. "Wir sind ständig dabei zu sehen, wo wir noch Personal herbekommen können", sagte der Beamte und räumte ein: "Es gibt Defizite."

Aber auch die Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes muss bei der Planung der Besuche Rücksicht auf die angespannte Sicherheitslage nehmen. So wird auf Bitten der Sicherheitsexperten das "Bad in der Menge" für die beiden als höchstgefährdet eingestuften Staatsbesucher wohl ausfallen. Putin trifft morgen in der Stadt ein und bleibt bis Mittwoch. Bereits heute Abend landet der ägyptische Präsident Mubarak.

Gegen Demonstranten wird Putin offenbar besonders gut abgeschirmt. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat für den morgigen Dienstag zwei Demontrationen tschetschenischer Flüchtlinge angemeldet. Von 10 Uhr an wollten sie vor dem Schloß Bellevue, wo Putin von seinem Gastgeber Bundespräsident Rau empfangen wird, gegen das russische Militärregime in ihrem Land demonstrieren. Und drei Stunden später planten sie Proteste vor dem Reichstag - während Präsident Wladimir Putin den Bundestag besucht.

"Die Demonstrationen wurden genehmigt, aber wir müssen sehr weit abseits stehen", sagte Ekkehard Maaß, Vorsitzender der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft und Mitorganisator der Mahnwachen. Aufgrund der hohen Sicherheitsmaßnahmen seien Schloss Bellevue und Reichstag "so weiträumig abgesperrt, dass Putin uns gar nicht sehen kann."

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